Königsbrunner Wasserfestspiele

Gepostet am 14. Juli 2008

Mann bin ich blöd. Ich dachte dieser Beitrag wäre schon seit Montag veröffentlicht, stattdessen habe ich ihn versehentlich auf “privat” gesetzt. Jetzt aber …

Pokal Triathlon Königsbrunn 2008Die Wettervorhersagen für gestern waren schlecht. Am Ende waren die Bedingungen da draußen beim 20. Lappland Königsbrunner Triathlon noch schlechter. Von den eigentlich angesagten Schauern und Gewittern konnte nicht wirklich die Rede sein, Starkregen, 14 Grad und ein teilweise böiger Wind aus Nord, so sah es am Sonntag im Süden Augsburgs aus. Ideales Triathletenwetter also. Aber wie sagt man, “a G’scheiter hält’s aus” und daher konnten auch diese Umstände mich nicht daran hindern (unter rein sportlichen Gesichtspunkten) eine Klasse Leistung abzuliefern. Wären die vier zeitraubenen Missgeschicke nicht gewesen, mein Wettkampftag wäre zwar nasskalt, aber doch nahezu perfekt gewesen.

Als um 7.30 Uhr der Wecker klingelt war ich etwas geschockt. Ich hatte mit Regen gerechnet, doch beim Blick aus dem Fenster sah es eher nach Wolkenbruch, tief hängenden Wolken und tiefstem November aus. Aber egal, es galt ein Rennen zu bestreiten und Spaß zu haben und so begab ich mich trotz der kurzen Entfernung vom elterlichen Haus zur Wettkampfstätte im trockenen Auto zum Wechsel- und Zielgelände am Königsbrunner Stadion. Während viele andere schon auf dem Parkplatz ihre Neoprenanzüge anlegen und damit zum Schwimmstart an den Ilsesee (der wahrscheinlich schönste Badesee weltweit) fahren, platziere ich noch meine Laufschuhe, damit sie schön trocken bleiben (!), im Wechselbereich in einer Tüte, baue dann mein Rad zusammen, mache ein kurze nasse Testfahrt und packe Neo, Helm und Schuhe ein und fahre die 1,5 Kilometer zum Check-in am südlichen Seeufer.
Jetzt im Zeitraffer: Rad aufstellen, Dinge platzieren, trockenes Langarmtrikot für die Radstrecke mit durchgehendem Reißverschluss in den Wechselbeutel, 10 Minuten warm laufen, das Reinzwängen in den Neoprenanzug fällt klitschnass sehr schwer, noch eine Banane essen, zum Trinken den Mund gen Himmel richten, kurz einschwimmen und dann in die Startaufstellung.
Startschuss, rein ins Wasser, Vollgas. Nach meinen guten Trainingsleistungen zuletzt will ich eine persönliche Schwimmbestzeit, auch wenn die Strecke mit von Google vermessenen 1.600 Metern plus Landgang wieder etwas zu lang sein dürfte. Ich finde eine gute Gruppe, doch kurz vor der ersten Boje erwischt mich der Fuß eines zickzackkreuzenden Vordermannes mit voller Wucht im Bereich Magen/Rippen. Mit bleibt die Luft weg, ich schlucke jede Menge Wasser und kann mich nur mit Mühe über Wasser halten. Mehrmaliges Husten bringt keinen Erfolg ich bekomme nur sehr wenig Luft und kann auf keinen Fall weiter kraulen. Erst nach circa 50 Metern im paddelnden Hundeschwimmstil, meine schöne Schwimmgruppe war mittlerweile auf und davon, versuche ich langsam wieder in den Kraurhythmus einzusteigen. Nachdem nun zahlreiche Schwimmer an mir vorbeigezogen sind, muss ich jetzt erst wieder an einer größeren Herde vorbei, somit bin ich mich nach etwa einem Drittel der Strecke gleich nochmals mitten drin im nervigen Getümmel. Bis zum Ende der ersten Runde hatte ich einige Jungs zurücküberholt und kam langsam wieder auf Normaltempo. Beim Blick auf die Stoppuhr zeigt diese 00:00:00. Mist, irgendwie hat das Ding wohl nicht gestartet, keine Ahnung wie ich in der Zeit liege. Mit vollem Frust geht es auf Runde zwei. Endlich gibt es passende Füße zum hinterherschwimmen, doch auf der letzten Gerade sind auch diese verschwunden, ich kämpfe mich also allein Richtung Land.
Sturz1 Triathlon Königsbrunn 2008Ein paar Minuten später stürme ich endlich raus aus dem Wasser, noch immer keine Zeit auf der Uhr, runter mit dem Neo, schnell das Radtrikot drüber und ab zum Radstellplatz. Immerhin es sind noch einige Räder da, ich bin nicht allzu weit hinten, jetzt soll aufgeholt werden. Doch beim flotten Lauf mit dem geschobenen Rad hinaus der Wechselzone passiert Unfall Nummer 2. Ich höre noch den Hinweis “Vorsicht rutschig” (Hans-Dieter in blau), doch barfuß auf dem völlig glitschigen Boden fliege ich in der einzigen Rechtskurve gleich mal ordentlich ab und mein Rad auf mich drauf. Autsch! Ohne Nachzudenken geht es gleich wieder auf, weiter zum Parkplatz und dann endlich drauf aufs Rad. Geschafft. Let’s get ready to rumble.
Höhenprofil Radstrecke Triathlon Königsbrunn
Obwohl es Sturzbäche regnet haue ich von Beginn an voll in die Pedale. Keine Kälte aufkommen lassen, lautet die Devise und wie immer gilt beim Blick auf den Tacho: die 40 muss stehen, jetzt kommt keiner mehr von hinten an mich ran. In den engen Kurven am Beginn der Strecke steht das Wasser teilweise köchelhoch und da die Bremsleistung mit den Xentis-Laufrädern stark zu wünschen übrig lässt, versuche ich dort sehr vorsichtig zu fahren. Beim Blick hinab auf mein Schienbein erschrecke ich. Zwei große Schrammen unterhalb des Knies, es blutet munter und die Schwellung sieht aus als hätte ich einen halbierten Golfball unter der Haut stecken. Zum Glück ist wenigstens für optimale Kühlung von unten und außen gesorgt. Trotzdem spüre ich bis Kilometer 30 nur die kalten Füße, der restliche Körper hält der Witterung einigermaßen stand, doch nach der flotten Abfahrt von Straßberg, als es mit über 60 Sachen Richtung Bobingen geht und der Regen förmlich nadelartig ins Gesicht sticht, merke ich ruckartig wie meine Beine und Schultern klamm und etwas steif werden. Trotzdem schnappe ich mir bis Oberottmarshausen noch fünf vor mir fahrende Mitschwimmerradler bis es schließlich keine vor mir fahrenden Konkurrenten mehr einzuholen gibt. Selbst auf der langen Geraden Richtung Fohlenhof ist niemand vor mir zu sehen, dafür merke ich wie sich nun etwas 3 Kilometer vor dem zweiten Wechsel zwei Lutscher trotz meiner Spritzwasserfontänen dicht hinter mich gehängt haben. Kampfrichter waren bei dem Wetter verständlicherweise keine auf dem Moped zu finden und so brauchte es bei nun kräftigen Gegenwind von Nord zwei richtig flotte Antritte nach zwei langsam zu fahrenden Kurven um die beiden auch wirklich loszuwerden und mit einem schönen Vorsprung die Radstrecke zu beenden. Nicht jedoch ohne Unfall Nummer 3.
Sturz2 Triathlon Königsbrunn 2008Der Radausstieg am Beginn der Tartanbahn ist sehr schmal und nicht einsehbar, bei meiner aber nun dritten Teilnahme wusste ich was mich erwartet und wollte bis zum Ende der Markierungslinie fahren. Die beiden Helfer hatten aber wohl eine etwas andere Vorstellung von meinem Haltepunkt und sprangen mir förmlich entgegen um mich zu bremsen und zum Absteigen zu bringen. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz aus meinem linken Radschuh geschlupft und so konnte ich mich, bedrängt von den beiden Helfern, nach einer notwendigen Vollbremsung nicht mehr auf dem Rad halten und machte den klassischen Klickpedalanfänger, Umkippen nach links inklusive. Das wäre soweit noch nicht so schlimm gewesen, ich verlor bei dieser Aktion aber noch einen Radschuh, den ich vor dem Weiterlaufen erstmal finden (war unter die Bande gekullert) und einsammeln musste. Flotten (schmerzenden) Schritts ging es barfuß rund 200 Meter über die Tartanbahn zum Wechselbeutel. Meine Schuhe waren im Plastikbeutel verpackt trocken geblieben, doch mit meinen klatschnassen kalten Füßen hatte ich große Problem in die mit Lock Laces ausgestatteten Schuhe zu schlupfen. An zahlreichen Wettkämpfen hatte ich dies bereits erfolgreich und stets sehr flott bewältigt, bei Sindflutbedingungen hatte ich dies jedoch noch nie ausprobiert. Nach zwei Versuchen war ich endlich im rechten Schuh drin, doch der linke Rennschlappen wehrte sich aufs heftigste. Während die auf dem Rad noch deutlich distanzierte Meutee an mir vorbei lief, versuchte ich zwei-, drei-, viermal richtig in den Schuh zu kommen, doch die Einlagesohle rutschte jedesmal komplett bis ganz nach vorne an den Fußballen. Ich denke es war der fünfte Versuch, als ich beschloss nun trotzdem loszurennen, egal wie oft ich es noch versucht hätte, es hätte wohl eh nicht mehr geklappt.

Entledigt vom durchnässten Radtrikot und mit einer gehörigen Wut im Bauch und ohne Halt in den Schuhen machte ich mich nun auf die zwar neue, aber dennoch deutlich zu lange Laufstrecke (selbst ermittelte 11,2 km). Gute 10 Minuten Rückstand auf die Spitze, hörte ich den Stadionsprecher ausrufen, überraschenderweise noch im Rahmen, denn mit der Summe der Missgriffe hätte ich zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr erwartet. Jetzt erst recht, lautete somit mein Motto für den finalen Lauf und draußen auf der Strecke konnte ich dann doch recht rasch wieder zu den deutlich schneller gewechselten Konkurrenten aufschließen und diese flott überholen. Bei nun leichterem Regen aber teilweise sehr schlammiger Strecke fühlte mich richtig schnell und locker, konnte im weiteren Verlauf noch einige Läufer überholen und an den Zwischenzeiten der 5-Kilometer-Markierungen (jeweils etwa in 19:40 Min) konnte ich sehen, dass ich trotz Schuhproblemen sehr flott unterwegs war. Auch wenn ich gerne nur 10 Kilometer mit Fullspeed und auf Triathlon-Bestzeit gelaufen wäre, die Verlängerung der Laufstrecke kam mir dank der achtbesten Laufzeit letztendlich absolut zu gute, allein auf den letzten zwei 1.500 Metern konnte ich so noch drei Läufer überholen.

Urkunde Triathlon Königsbrunn 2008Nach genau 2:27:23 Std überquere ich endlich die Zielline. Im Vorfeld hatte ich mir ja ganz vage eine 2:20 erhofft, bei einer nochmals verlängerten Strecke (in allen drei Disziplinen), dem äußerst suboptimalem Wetter und mit vermutlich 3-4 liegen gelassenen Minuten bei den zwei Wechseln war letztlich aber nicht mehr drin. Mit Platz 22 in der Gesamtwertung, Platz 5 in der AK30, Platz 4 in der Landkreiswertung und Platz 3 in der AK30-Landkreiswertung (juhu, schon wieder ein Pokal) muss man am Ende einigermaßen zufrieden sein.
Etwas enttäuscht war ich über die Mannschaftswertung, wo wir mit dem Team des SCK zwar Platz 3 gesamt belegten und die Landesligawertung möglicherweise gewinnen konnten (beide Teams vor uns starteten mit den gewerteten Leuten auch in der Bayernliga, das offizielle Endergebnis steht noch aus), dass ich am Ende nur der vierte Mann in unserer teaminternen Wertung (damit nicht in der Teamwertung) war kommt etwas unerwartet. Nachdem unsere beiden Topleute am Start waren, die mit Platz 7 und 9 sogar noch unter ihren Möglichkeiten blieben, schob sich mit Ronni Fratz (Platz 17), der nicht nur sehr schnell schwimmen kann, sondern mittlerweile auch ganz passabel läuft, noch ein Teamkollege vor mich, den ich eigentlich hinter mir lassen wollte. In zwei Wochen am Wörthsee werde ich versuchen die Scharte (ohne Sturz und Chaoswechsel) auszumerzen.
Wirft man noch einen Blick auf die Zeitabstände, dann sieht die Sache ganz erfreulich aus. Wie im Vorjahr gewann der Kauferinger Top-Mann Tom Weikert. Nachdem er letztes Jahr noch rund 2:08 Std unterwegs war, brauchte er am Sonntag knapp 6 Minuten länger und kam mit 2:14 Std über die Ziellinie. Rechnet man dies nun auf meine Zeit um, ergibt sich ein Abstand von 13 Minuten, 2007 hatte er mir noch rund 22 Minuten mitgegeben. Für mich heißt das somit, dass ich im Laufe des letzten Jahres die Zeitdifferenz nahezu halbieren konnte. Wäre alles glatt gegangen hätten es am Ende auch durchaus unter 10 Minuten sein können, nachdem es beim Kraichgau Triathlon vor rund 5 Wochen fast genau 12 Minuten, die ich auf ihn verloren hatte. Die Richtung stimmt also, jetzt muss am 27.7. am Wörthsee endlich mal ein richtiger Kracher rausgehauen werden.



5 Reaktionen zu “Königsbrunner Wasserfestspiele”

  1. Uli meinte:

    Pleiten, Pech und Pannen – immer wieder lustig zu lesen. :-)
    Das sind die Wettkämpfe, die einem in Erinnerung bleiben. Ist das Bein wieder okay?

    Meinen bisher einzigen Start in Königsbrunn habe ich übrigens auch nicht in bester Erinnerung. Damals wurde eine Runde im See geschwommen und zwar einen Kurs in M-Form, markiert mit kleinen gelben Bojen. Ich hatte dummerweise die Startgruppe mit den gelben Bademützen erwischt. Frage nicht, wo ich als Blindfisch überall hin geschwommen bin. Und geregnet hat es damals übrigens auch genügend.

    Trainier nicht soviel bis zum Wörthsee! ;-)

  2. Tanja meinte:

    Vielleicht fehlt dir ja mittlerweile bei deinen Sonnenwettkämpfen der nötige Kick… auf jeden Fall bin ich froh, daß du so relativ unbeschadet davon gekommen bist. Aber daß der Fotograf auch gerade in diesen Momenten gestochen scharfe Bilder machen muß?!

  3. Na ja … | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] auf Sturz und Wechselpannen) und beim Lauf nicht annähernd soviel gut machen konnte wie vor 14 Tagen im heimatlichen Dauerregen. Auch die Differenz zum Königsbrunn-Sieger Tom Weikert, gestern Dritter, zeigt das gleiche Bild. [...]

  4. In den Keller trainiert | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] zwei Tage um gut ausgeruht und in guter Konstitution am Sonntag eine deutliche Verbesserung der letztjährigen (schon durchaus guten) Leistung bei den Wasserfestspielen Königsbrunn hinzulegen. Rechne ich meine guten Leistungen in den vergangenen Wettkämpfen hoch, wäre alles [...]

  5. Wie lief’s in Königsbrunn | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] perfekten Schwimmen kam ich schon an Platz 45 aus dem Wasser, doch insbesondere auf dem Rad, wo ich im letzten Jahr noch drei Stürze überstehen musste, den Laufwechsel total versaute und die Wetterb… waren blieb ich am Sonntag wohl doch unter meinen Möglichkeiten. Schnell waren alle überholbaren [...]



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