Gestaffelt, gelaufen, geschwitzt, gegrillt und geärgert

Gepostet am 16. Juli 2007

Eine Woche nach meinem erfolgreichen Start in Königsbrunn, musste ich natürlich dieses Wochenende gleich wieder ran. Der München Triathlon stand auf dem Programm und in Anbetracht meines anstehenden Mitteldistanzstarts am kommenden Samstag wollte ich mich bewusst schonen und daher nur in der Staffel, hier als Firmen-Triathlon benannt, an den Start gehen.
Bereits im März hatte ich die Staffel mit dem schmissigen Teamnamen “Nur kein Stress” organisiert, aufgestellt und meinem Ex-Chef Karlheinz zum 50. Geburtstag und als Dank für seine Abschiedsfeier die Position des Radfahrers geschenkt. André, einer meiner IT-Kollegen bei Siemens wollte dabei die Laufstrecke bewältigen und somit war für mich die Rolle als Schwimmer angedacht. Auch wenn (oder gerade weil) das Schwimmen eigentlich meine schwächste Disziplin ist, ein bisschen Schwimmprügeltraining würde 6 Tage vor der kommenden Mitteldistanz prima in meine Vorbereitung passen, dachte ich.
Leider plagten unser Team in der Woche vor dem Start dann jedoch einige Verletzungssorgen, so dass ich nach langem hin und her, wer nun wo und wie starten könnte, noch kurzfristig meine ebenfalls angeschlagene Teamkollegin Maria als Schwimmerin engagieren konnte. Karlheinz wollte schließlich trotz Problemen in Knie und Achillessehne auf’s Rad steigen und ich konnte somit in meiner Paradedisziplin den Part des Schlussläufers übernehmen mit dem Ziel endlich eine neue verbriefte 10-Kilometer-Bestzeit anzugreifen. Beim Halbmarathon im April lag meine Durchgangszeit bei Kilometer 10 schon ganz knapp über 40 Minuten und da ich diese Strecke schon seit April letzen Jahres nicht mehr ausgeruht, sprich ohne vorher vom Rad zu kommen, gelaufen hatte wollte ich dort endlich – übrigens ebenso wie es Eisenmann-Reiner schon erfolgreich vorgemacht hatte – die 40-Minuten-Marke unterbieten. Das sollte doch locker zu schaffen sein, war ich voll überzeugt. Ein klassischer Fall von “Denkste!“, wie sich später herausstellen sollte.

So oder so ähnlich dürften mich gestern zwar einige hundert Läufer gesehen haben, immerhin wurde ich auf meinem rund 43-minütigem Lauf von keinem einzigen anderen Läufer überholt und mein eigentlich katastrophaler 10-Kilometer-Lauf artete bei Temperaturen deutlich über 30 Grad und einer komplett in der Sonne liegenden Strecke, dennoch in ein einziges Überholungsrennen aus.
Nachdem Maria zwar auf guter Position (selbst gezählter Platz 15) liegend, jedoch mit einer für sie miserablen 28er Zeit (widrige Bedingungen, viel Wasser geschluckt und eine wohl deutlich zu lange Strecke), aus dem Wasser kam und nach langem Lauf durch die Wechselzone den Zeitmesschip an Karlheinz übergab, lagen wir zumindest fürs erste bei der Staffelplatzierung im angestrebten Bereich. In einer souveränen Windschattenjagd konnte er mit einem ordentlichen 35er Schnitt Platz 30 (wieder selbst gezählt) unserer grünen 12:40-Uhr-Startgruppe behaupten ehe er nach 1:16 Std vom Rad stieg und sich mit seinen zwei kaputten Beinen den schier endlos langen Weg zu unserem Wechselplatz schleppte. Rasch schnappte ich mir seine Startnummer und den Zeitmesschip am Knöchel um mich als Schlussläufer aufzumachen zur großen Jagd auf die paar wenigen vor uns liegenden Staffeln und die rund 800 vor uns gestarteten Einzelstarter.
Die ersten 4 Kilometer liefen dabei noch ganz passabel. Ich ging bewusst schnell an, in der festen Überzeugung das Tempo hinten heraus noch irgendwie halten zu können. Auf der Strecke war speziell in der ersten von zwei zurückzulegenden Runden absolut die Hölle los. So ging an der ersten Verpflegungsstation nach dem Start schon der Wassernachschub aus und im Anstieg auf den in Serpentinen zu erklimmenden Rodelhügel kam es in den Kehren zu regelrechten Staus, die ich teilweise nur – sorry nochmals, liebe Mitlaufenden, aber ich musste ja irgendwie vorbei kommen – mit der “Brechstange” und etwas Körperkontakt durchqueren konnte. Das Tempo von 4:00 min/km, das ich eigentlich unterbieten wollte, konnte ich immerhin 20 Minuten, also bis zum Ende der ersten Runde bei Kilometer 5, noch einigermaßen halten, ehe ich so langsam spürte, dass an diesem heißen Sonntag nicht viel mehr drin sein sollte. Mit zunehmenden Wassermangel, wenn ich überhaupt einen Becher ergattern konnte galt es erst gründlich abzuwägen, ob ich diesen über den Kopf oder in den Mund schütten sollte, und sicherlich nicht optimal vorbereitet, schließlich stand ich seit circa 10 Uhr in prallen Sonne herum um die verschiedenen Wettkämpfe zu verfolge, sah ich meine Felle davon schwimmen. Langsam begann ich aufgrund des fortschreitenden Tempoverlusts (danke lieber Garmin Forerunner, ausnahmsweise habe ich dich mal gehasst) nun immer mehr auch innerlich zu kochen. Mit selbst gestoppen 42:50 Minuten lief ich dann nach rund 10,4 Kilometern (ebenfalls mit dem Forerunner ab Übergabe der Startnummer gemessen) über die Zielline. Im Leben hätte ich nicht gedacht, dass ich sooo langsam laufen konnte, immerhin hatte ich letzten Sonntag die gleiche Zeit über 10,6 Kilometer erreicht, wohlgemerkt am Ende eines nicht gänzlich spurlos verlaufenden Triathlons.

Nach letztlich doch noch erfolgtem Zieleinlauf folgte die wahre Ernüchterung dann jedoch im Zielbereich. Nicht nur, dass ich mich über mein schlechtes Abschneiden ärgern musste, nein auch die Zielversorgung, bei vielen anderen Wettkämpfen das Highlight der Veranstaltung, genügte nur den allergeringsten Ansprüchen und wurde in keinster Weise dem horrenden Startgeld gerecht. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Iso, null Schatten, ein paar Bananen und ein paar Melonen um die sich der Rest prügelte und welche die hungrigen Athleten zum Teil noch selbst aufschneiden mussten. Einziger Trost dort war, dass so ziemlich alle dort im Ziel herumhängenden Kreaturen mit ihrer Leistung total unzufrieden waren und sich die Zeitverluste beim Schwimmen und Laufen nur schwer erklären konnten. Zur leichten Beruhigung wurde mir klar, dass ich zumindest relativ gesehen flott unterwegs gewesen sein muss.

Nach einmaligem Darüberschlafen können wir rückblickend mit dem Gesamtergebnis durchaus zufrieden sein. Rechnet man die offensichtlich falschen Laufzeiten (mit zweiten Wechsel angegeben und damit teilweise nahe internationaler Spitzenklasse) heraus, haben wir bei den gemischten Staffeln einen guten 6. Platz von über 80 Teilnehmern erreicht, insgesamt langte es noch zu den Top15 aller laut offizieller Angaben 210 Staffeln. Auch mit meiner Laufzeit liege ich, rechnet man dort wieder die dort nicht zu schaffenden Traumzeiten unter 37 Minuten heraus, auf Platz 11 aller Laufspezialisten, mehr als 3 Minuten der mit guten 46 Minuten angegebenen Laufzeit ging dabei für den ultralangen und gehumpelten Lauf von Karlheinz in der Wechselzone drauf. Nun gut, gleiche Chancen für alle, zufrieden bin ich deswegen trotzdem nicht. Aber das Leben geht ja bekanntlich weiter. Und wie sogar.
Jetzt noch ein paar Ausreden für mein Abschneiden zu finden wäre dennoch ein leichtes, gelten lassen will ich diese allerdings nicht. Ich war am gestrigen Tag einfach zu schwach um meine wirkliche Form – die ich mir zumindest einrede :) – ausspielen zu können.

  • Brüllende Hitze und null Schatten.
  • Teilweise fehlende Wasserversorgung und eine Riesengetümmel an den funktionierenden “Wasserlöchern”.
  • Ein überwiegend ganz fieses Geläuf auf feinen Kieswegen. Killt wahrscheinlich jede Laufzeit.
  • Zu langes rumstehen in der prallen Sonne.
  • Ein nicht unwesentlicher forscher Gegenwind aus Ost, der noch dazu führte, dass auf dem Weg Richtung Westen die Luft quasi still stand und noch heißer wirkte.
  • Zwei kräftezehrende Anstiege auf den Rodelhügel.
  • Tags zuvor noch in der Mittagssonne vermeintlich semi-lockere 63 Kilometer Richtung Wolfratshausen auf dem Rad runtergerissen.
  • Viel zu viele störende Menschen auf der Laufstrecke, hochgerechnet müsste ich so in etwa 400 Läufer überholt haben. Irre.
  • Seit Monaten kein richtiges Tempotraining gemacht. Das rächt sich dann doch.
  • Die Laufform des Frühjahrs ist mittlerweile wohl etwas auf’s Rad verrutscht, was bei meinem Training auch absolut logisch wäre.
  • Ohne zwei Honigsemmeln zum Frühstück geht es dann scheinbar doch nicht.
  • Wenn ich Depp mir Isostar statt Wasser über den Kopf kippe, ist das für das Wohlbefinden auch nicht gerade optimal.

Erste Bilder gibt es es übrigens auf Andrés Galerie-Seiten zu bestaunen, der trotz verletzungsbedingtem Ausfall an der Strecke mitfieberte. Herzlichsten Dank!



5 Reaktionen zu “Gestaffelt, gelaufen, geschwitzt, gegrillt und geärgert”

  1. 100 Meter zuviel | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] getäuscht. Ach ja, 1000 DANK noch Richtung Maria, die mir das gute Stück gesichert hat und heute nach München mitgebracht hat. Ohne dich hätte ich das niemals [...]

  2. Reiner meinte:

    Pfaffenhofen war wirklich super flach und zu 90% geteert. Außerdem wenn man sich da weit vorne aufstellt, fällt das blöde überholen am Anfang schon aus. Und beim Überrunden einfach ein “VORSICHT” geschrieen und die Langsamen gehen schon auf die Seite…….!
    Bin schon gespannt, wie meine Laufperformance am Sonntag beim Triathlon sein wird.

  3. Reiner meinte:

    War eigentlich der Tria in München wirklich so schlecht organisiert wie man in einschlägigen Tria-Foren lesen kann?
    Und auch wenn du deine Zeit von sub40 nicht erreicht hast, dem Zuspruch weiblicher Fans hat das keinen Abbruch getan, oder? 8O

  4. Chris meinte:

    Die Orga war tatsächlich ein schlechter Witz, zu wenig Wasser, Chaos in der Wechselzone und schlechte Zielverpflegung. Nie mehr Buga.
    Selbst die weiblichen Fans waren enttäuscht.

  5. Well performed - Der 70.3 Rennbericht | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] zwar an sich nicht schwer zu laufen, dafür ein ein absoluter Tempokiller, Erinnerungen an meinen miesen Auftritt in München wurden wach. Auf dem Rückweg ging es dann Richtung Wechsel- und Zielbereich leicht bergab, zumeist [...]



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