Ironman World Championships Hawaii 2011 – Mein Weg zum Ironman

Gepostet am 28. Oktober 2011

Als ich mich irgendwann im Jahr 2005 erstmals und damals noch eher mit dem Gedanken “aktive Beschäftigung in Kombination mit körperlicher Ertüchtigung” mit dem Thema Triathlon beschäftigte da war allein die Vorstellung “Ironman Hawaii” für mich etwa so weit weg wie der Mond. Wie für die meisten anderen heute aktiven Triathleten, waren (und sind es immer noch) eben genau diese einmal im Jahr als unterhaltende Beimischung diverser Sportsendungen gesendeten Bilder vom Ironman, die den Reiz und die Faszination diese Sportart überhaupt erst in mir erzeugten. Schwimmen, Radfahren, Laufen – hintereinander und ohne Pause, das schien irgendwie reizvoll.
Erst später als mich bereits etwas tiefer mit dem Thema beschäftigte und mein Entschluss reifte, endgültig vom Fußball auf Ausdauersport umzusteigen, kapierte ich, dass in diesem Sport unterschiedliche Rennen über unterschiedliche Distanzen gab, die jeweils eine besondere Spezialisierung erforderten.  Triathlet, ja, das wollte ich sein. Das klang nach neuen Zielen, großer Herausforderung, Individualität, Freiheit, Fitness und einen gewissen Lifestyle. Ein Ironman (damals kannte ich den Begriff Langdistanz noch nicht) bzw. ein Rennen über die Ironman-Distanz erschien mir jedoch für meine begrenzten Möglichkeiten erst mal unschaffbar. Einen Marathon laufen? Und das nach unfassbaren 180 Kilometern auf dem Fahrrad? Wie sollte das gehen? Ich kannte auch niemanden persönlich, der so etwas schon mal gemacht hatte.
Das Rennen in Hawaii setzte dem ganzen noch die Krone auf, entsprechend war dieser Wettkampf für mich nur etwas für Spinner, Halbtages-Jobber, Studenten oder Berufssportler (Polizei, BW, etc.), sprich für Normalsterbliche (wie mich) nicht machbar. Dachte ich.

Fast drei Wochen sind mittlerweile seit dem Rennen vergangen (die Veröffentlichung des Berichts wird erst etwas später machbar sein können). Fünf Stunden Verspätung waren für unseren Flieger angesagt (* am Ende wurde daraus eine Odyssee mit mehr als einem Tag Verspätung), als ich letzten Samstag am Flughafen von Kailua-Kona nach zwei tollen und vollen Urlaubswochen endlich die Zeit mein Rennen nochmals im Detail für meine treuen, interessierten und fachkundigen Leser im Detail zusammenzufassen. Die ordentliche Nachbearbeitung musste leider noch etwas auf sich warten lassen. Irgendwann musste ich ja auch wieder arbeiten.
Statusupdates habe ich ja bereits über Facebook gepostet, zudem habe ich auf Maui mal zwei Stunden hingesetzt um für die Vereinszeitschriften des SCK und SCW einen etwas allgemeineren Kurzbericht zu verfassen. Wie ihr aber wohl wisst, meine Rennen versuche ich stets ausführlich zu beschreiben und mit etwas Abstand lässt sich dies sicher auch ganz gut auf die Kernaussagen beschränken. In den kommenden Tagen werde ich dazu noch den ein oder anderen Bericht hier einstellen, zu Beginn der Serie ist es, wie ich glaube, aber durchaus nochmals wichtig meinen Weg dorthin zu skizzieren.

Schon 2001 absolvierte ich im Rahmen des Kuhsee-Triathlons meinen ersten Triathlon, einfach mal um zu sehen wie sich das so anfühlt. Ein paar mal vorher bin ich die 200 Meter quer durch den See geschwommen, mit meinem Trekking-City-Rad (als Verkehrsmittel) war ich schon immer viel und flott unterwegs und Laufen, das war das einzige was ich als Fußballer so halbwegs gut konnte. 2006 ging ich dann erstmals ernsthaft, also mit Training, an die Sache heran und absolvierte beim München Triathlon meine erste Kurzdistanz. Beim Schwimmen wurde ich noch ordentlich versenkt, aber am Ende war ich dennoch jeweils deutlich in der ersten Hälfte platziert. Das Blut war geleckt, ich wollte die Sache etwas gezielter angehen.
Irgendwann im Herbst 2006 besuchte ich zum ersten Mal das Schwimmtraining bei den Triathleten des SC Königsbrunn und besorgte ich mir dann bei Tonis Radleck mein heute noch aktives Triathlon-Rad und meldete mich im Übermut kurz vor dem Jahreswechsel, ohne zu wissen, was da auf mich zukommen würde einfach mal so für den traditionsreichen Allgäu-Triathlon in Immenstadt und den neu ins Leben gerufenen Ironman 70.3 in Wiesbaden an. Irgendwie würde ich auch das schaffen. Ich schwamm, radelte und lief, schaffte es ordentlich ins Ziel, aber irgendwie war mir die Streckenlänge einfach zu lang. Ein “richtiges Rennen” musste für mich maximal schnell und volle-pulle-anstrengend sein und eben nicht ein viel zu langes und eher zähes “Dahinbewegen”. Entsprechend war ich im Jahr darauf nur auf kurzen Distanzen unterwegs und merkte bald, dass ich mit mehr Erfahrung und größerer Grundlage noch immer schneller und besser wurde. Kurzdistanz war toll, aber irgendwie auch zu berechenbar, schon 2009 lockte wieder der “Reiz” der längeren Distanz, wo ich es über Wiesbaden nach Clearwater zu den 70.3 World Championships schaffte. Ich (als kleiner Feierabend-Triathlet) bei einer Weltmeisterschaft – wie sollte ich das mit meinen Möglichkeiten noch überbieten können?

Das Thema Langdistanz wanderte irgendwann im letzten Jahr erstmals in meinen Kopf. Mit zunehmender triathletischer Erfahrung verliert die zuvor noch unfassbar lange Strecke spürbar an ihrer Unbezwingbarkeit. Links und rechts um sich herum sieht und kennt man immer mehr und mehr Leute, die in Roth, Frankfurt oder bei anderen Ironmans finishen und gut abschneiden, die ich auf kürzeren Strecken schon (deutlich) schlagen konnte oder die zumindest nahe an meinem Leistungsniveau dran sind bzw. waren. Irgendwie hatte es auf einmal jeder drauf und lässt man die für meine Verhältnisse noch immer sooo langen Distanzen mal außen vor, ein Langdistanz-Finish müsste also ebenso machbar sein. Alles andere würde den (vermeintlichen) Leistungsstand nicht widerspiegeln. Dennoch, der Zusatzsatzaufwand, den ich meinte betreiben zu müssen um einen Ironman nach meinen Maßstäben, sprich eben nicht als Irgendwie-Finisher, sondern als aktives Rennen, passabel zu bestreiten erschien mir mit regelmäßigen 50-Stunden-Arbeitswochen schlicht nicht machbar (und lohnenswert).

Irgendwann kurz vor Weihnachten letztes Jahren habe ich dann ohne großen Gedanken ein paar Dollar in den Kauf eines Los zur für die Ironman Lottery gesteckt. Langdistanz? No way! Aber Hawaii wäre irgendwie schon mal reizvoll. Meine realistische Chance war sowieso gleich Null.
Mitte April traf mich dann der Schock. Erst hielt ich die Mail für Spam, dann dann wurde mir klar, ich hatte einen Startplatz gewonnen. Es brauchte in der Tat einige Tage bis ich mich darüber auch wirklich freuen konnte, zuerst war ich einfach nur geschockt, dass ich jetzt “einfach mal so” nicht nur einen sondern DEN Ironman bestreiten sollte.
Meine gesamte Saisonplanung war bis dahin auf die TOUR-Transalp ausgerichtet, Triathlon war nur als abwechslungsreiche Beimischung gedacht um mit ein paar Wettkämpfen über den Sommer zu kommen und dabei gesamtheitlich fit zu bleiben. Mit all dem was man in exemplarischen Langdistanz-Trainingsplänen so ließt war die Sache objektiv gesehen nicht zu machen. Dennoch, mein Quervergleichsdenken stimmte mich optimistisch, ich musste “nur” irgendwie “länger werden”, daher melde ich mich rasch noch im Juni noch für zwei Mitteldistanz-Rennen an, behielt aber erst mal meinen Schwerpunkt trainingstechnisch klar auf dem Radfahren. Ich hatte einen Riesen-Respekt vor dem was dort bei der Transalp über sieben Etappen auf mich warten sollte, trainierte gezielt wie nie zuvor und schaffte es Ende Juni mit einer für mich optimalen Form in Sonthofen ins Rennen zu gehen. Hatte ich zu Beginn noch Zweifel die 920 Kilometer überhaupt zu schaffen, kämpfte mich mit meinem Team-Partner Andreas überraschend gut durch die sportlich mit Abstand härteste Woche meines Leben. Noch nie war ich körperlich dauerhaft derart an der Grenze, war aber nach dieser Erfahrung im Anschluss daran absolut optimistisch irgendwie auch die Herausforderung Ironman Hawaii meistern zu können. Ich hatte zwar bislang noch nie mehr als 3,1 Kilometer schwimmend in einer Trainingseinheit zurück gelegt und mein längster Lauf aller Zeiten müssten so circa 23 Kilometer gewesen sein, aber am Ende würde es wohl “nur” darum gehen ein paar Stunden mehr im Grundlagentempo zu schwimmen, Rad zu fahren und am Ende irgendwie den Marathon zu überstehen. Könnte also doch irgendwie machbar sein.

Wie im letzten Beitrag kurz vor dem Rennen bereits geschrieben, die letzten 10 Wochen vor dem Rennen nutzte ich so effektiv, konzentriert und fokussiert wie noch nie für mein Training zur spezifischen Ironman-Vorbereitung. Schwimmen, das würde ich schon irgendwie schaffen, auf dem Rad müsste ich “nur” mein gemäßigtes Grundlagentempo auf die Straße bringen und beim abschließenden Lauf würde ich mich, wenn ich schon mal da bin, dann auch noch irgendwie durchkämpfen. 42 Kilometer laufen, das schien für mich der Knackpunkt, folglich legte ich meinen Schwerpunkt auf das Thema Lauf, jedoch ohne dabei annähernd an das heranzukommen was in definitiv jeder Literatur zum Thema Langdistanz-Training geschrieben steht. Im Wasser und auf dem Rad war gerade mal Formerhalt angesagt, schwerpunktmäßig versuchte ich daher durchwegs so häufig wie möglich die Laufschuhe zu schnüren. Die Wochenkilometer lagen meist so um die 50, doch mein längster Trainingslauf müsste dabei gerade mal so bei 19 Kilometer gelegen haben. Glaubt man allen Empfehlungen, viel viel zu wenig, aber durch die konstant hohe Belastung schaffte ich es zumindest noch in der Vorbereitung den Halbmarathon in Karlsfeld zu laufen. Erfreulicherweise mit persönlicher Bestzeit, das gab noch mal einen Schub Selbstvertrauen, dass die Form stimmte..

Ich hatte getan was ich konnte und obwohl viele Fakten gegen mich sprachen, was ich zuversichtlich, dass dies reichen müsste um ordentlich ins Ziel zu kommen. Den Speed (bei Rad und Lauf) hatte ich drauf, ich durfte nur nicht überpacen.
Mehr als eine Woche vor dem Rennen waren wir bereits in Kailua, die Herausforderung in der Pre-Race-Woche in Kailua-Kona lag dann schließlich nur noch darin sich vom Wahnsinn drumherum nicht anstecken zu lassen, cool zu bleiben um letztlich ausgeruht und fit am Samstag um 7 Uhr an der Startlinie zu stehen bzw. zu treiben. Unbeschreiblich was da in der Rennwoche abgeht. In jeder Hinsicht …
Das Ergebnis ist bekannt: es reichte und das am Ende auch noch deutlich schneller als zuvor gedacht. Daylight-Finish (Bericht über den Rennverlauf folgt in Kürze). Und das mit mehr als 20 Minuten Puffer. Mit durchwegs defensiver Renneinteilung und realistischer Einschätzung meiner Möglichkeiten schaffte ich es bis Kilometer 30 auf der Laufstrecke fast exakt im vorher im Kopf zusammengestellten Ideal-Zeitplan zu bleiben ohne, dass ich dabei wirklich leiden musste. Relativ unspektakulär war das was ich da vor zwei Wochen ablieferte, auch wenn ich trotzdem noch hart dafür arbeiten musste. Dafür macht mich nun der erreichte Ergebnis um so fröhlicher.

Den letzten Kilometer bis zum Ziel werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Im Wissen um meine nur im best-best-case für denkbar gehaltene Leistung lief ich lockeren Schritts und mit einem Honigkuchenpferd-Grinsen die letzten Meter zum und über den Zielkanal, genoss noch einmal die Anfeuerungen von draußen und bekam gerade noch so am Rande mit wie der Ironman-Sprecher Mike Reilly meinen Namen ausrief. Niemals erwartet, aber in weniger als 11 Stunden stand ich da im Zielbereich mit Finisher-Handtuch und Medaille.

Noch vor etwas mehr als einem halben Jahr hätte ich all dies niemals für möglich gehalten, seit dem 8. Oktober um 17.42 Uhr Ortszeit ist die Vision, die irgendwann in lange vergessenen Zeiten tief in mir einst den Knopf drückte sich überhaupt erst ein mal diesem fantastischen Sport zu stellen, zur Realität geworden: I am an Ironman.

Selbst knapp drei Wochen später – irgendwie noch immer nicht real …



Eine Reaktion zu “Ironman World Championships Hawaii 2011 – Mein Weg zum Ironman”

  1. Tanja meinte:

    Und was kommt jetzt?