Morgen geht’s los – letzte Statements vor dem Rennen

Gepostet am 8. Oktober 2011

Und? Schon nervös? Already excited?
Die Frage wird mir mit zunehmender Häufigkeit schon seit  einigen Wochen von jedmöglicher Seite gestellt. Verständlicherweise, denn grundsätzlich hätte ich sicherlich allen Grund hier etwas unlocker zu sein. Komischerweise ist aber schon seit Wochen genau das Gegenteil der Fall. Ich schlafe hier mittlerweile gut und aus, bin weder nervös, noch angespannt, sondern freue mich einfach nur die Chance bekommen zu haben hier beim Rennen der Weltbesten am Ursprungsort des Triathlonsports dabei zu sein.
Gerade für mich gibt es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen und ich stand während meiner gut fünf Jahre im Ausdauersport immer wieder vor neuen und scheinbar (zu) großen Herausforderungen, die ich allesamt souverän und mit einem klaren Plan im Kopf gemeistert habe. Oft habe ich mich dabei gefragt wie ich das schaffen soll, am Ende war es teilweise sogar besser/schneller als selbst erwartet. Entsprechend locker gehe ich (wohl als einer der wenigen) auch an dieses Rennen heran, das für mich als Rookie eigentlich fraglos eine Nummer zu groß sein müsste. Anyway, ich rede mir zumindest ein, dass ich hier selbstbewusst ins Rennen gehen kann. Ein paar der Jungs aus dem süddeutschen Raum, die hier am Start sind, habe ich auf kürzeren Strecken schon hinter mir gelassen, also vor was sollte ich also Angst haben? Es wird einfach nur ein sehr langer Trainingstag, den ich einfach nur überstehen muss und folglich bin ich einfach nur voller Vorfreude auf das was da morgen passieren wird, obwohl ich weiß, dass ich während des Rennens da draußen alles andere als happy sein werde ;)

Und? Fit für das Rennen?
Die zweite häufig gestellte Frage. Auch das ist erstaunlicherweise leicht zu beantworten: Klar!
Jeder Ausdauersportler kennt das. Wann hat man schon mal “genug” gemacht für seinen nächsten großen Wettkampf? Nie. Immer mal wieder kommt irgendwas dazwischen, einige Einheiten fallen aus, alle anderen machen dauern mehr und ständig plagt einen das schlechte Gewissen. Ich kann für mich sagen: über das ganze Jahr gesehen, ich habe gemacht was ich machen konnte. Erst lag der Schwerpunkt vielleicht (für Triathlon-Training) zu sehr auf dem Radfahren, Transalp ging einfach vor, die letzten zehn Wochen, also die spezifische Vorbereitung  nach der Transalp habe ich allerdings so intensiv wie noch nie genutzt. Regelmäßig schwimmen, konstante (für mich hohe) Laufumfänge und fast ausschließlich Radeinheiten auf dem Zeitfahrrad. Mehr als die durchschnittlichen 12 bis 14 Wochenstunden sind bei mir und auch angesichts von 50-Stunden-Arbeitswochen einfach nicht drin.
Folglich kann ich sagen: Fitter geht’s nicht (bei mir), ich bin dort wo ich realistischerweise sein kann. Ich schwimme halbwegs konstant, bin auf dem Rad nicht allzu weit von meiner Super-Form der Transalp weg und habe mich beim Laufen soweit stabilisiert, dass ich zuversichtlich bin auch das Doppelte meiner normalen “langen” Läufe ordentlich absolvieren zu können. Viel mehr ist für mich einfach nicht drin und entsprechend bin ich absolut überzeugt, dass dieses Level reichen wird um morgen hier einigermaßen über die Runden zu kommen.

Und? Was ist Deine Zielsetzung?
Die Frage aller Fragen. Die Antwort in englischer Kurzform: Keep my game plan – dann kommt alles andere von selbst.
Klar ist, ich werde hier weder gewinnen, noch irgendwelche Bestzeiten aufstellen, mein einziges wirkliches Ziel hier ist “ordentlich” dabei zu sein. Ich werde versuchen mein Rennen zu machen und das Ganze so kontrolliert wie möglich anzugehen. Wenn das gelingt kommt der Rest von ganz allein. Ein solides Finish in einer Zeit mit der ich sicherlich nicht als letzter meiner AK über die Ziellinie kriechen werde. Die Devise lautet also: ruhig und kontrolliert schwimmen und dabei versuchen sich aus den gröbsten Prügeleien rauszuhalten. Allein schon aus Komfortgründen werde ich mich beim Wechsel komplett neu und radspezifisch einkleiden und dann erst mal sachte auf der Radstrecke angehen. 180 Kilometer sind lang und vor allem hinten raus ab Kilometer 130 wird die Strecke richtig tough. Hitze, Wind und die niemals flache Strecke werden mir bis dahin sicher genug zu schaffen machen, also wird versucht noch genügend im Tank zu haben um halbwegs kontrolliert zurück bis ans Kailua-Pier zu kommen. Dann wird wieder gemütlich abgestiegen, alle Klamotten frisch gewechselt und danach geht mein Rennen erst richtig los. Noch habe ich keine Ahnung wie ich den Marathon überleben soll, aber andererseits, wenn ich nicht überziehe, dann sollte ich das Ding irgendwie nach Hause bringen. Die Strecke habe ich mittlerweile komplett gesehen und in verwertbare Teilstücke aufgeteilt. Vielleicht bin ich ja etwas naiv, aber seit dem erscheint mir das Ganze irgendwie gut machbar.
Soweit also der Plan. Mit der Taktik sollte es morgen irgendwie klappen trotz der saustarken Konkurrenz hier im Feld mitzuhalten. Wenn ich also nur halbwegs mein Grundlagen-Tempo auf die Straße bringe, dann müsste am Ende auch die Zielzeit ganz passabel sein. Sollte es irgendwie mit dem plan nicht so ganz klappen, auch nicht schlimm. Mit dem Riesen-Support von allen Seiten wird es am Ende für mich nur entscheidend sein hier die Ziellinie zu sehen. Ein Ironman-Finish auf Hawaii, viel mehr werde ich als Triathlet ganz sicher niemals erreichen.

Zum Abschluss schon mal an dieser Stelle den allergrößten Dank an all den Support und die Unterstützung von Euch. Ob Material, Tipps, Trainingshilfen oder Aufmunterungen, Ihr könnt sicher sein, dass dies einen Großteil meiner Motivation ausmachen wird um morgen über zehn, elf oder mehr Stunden wirklich allesallesalles zu geben.

Mahalo nui loa!
Es wird zu Hause auf jeden Fall eine ordentliche Party geben!!



Eine Reaktion zu “Morgen geht’s los – letzte Statements vor dem Rennen”

  1. Ironman World Championships Hawaii 2011 – Mein Weg zum Ironman | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] im letzten Beitrag kurz vor dem Rennen bereits geschrieben, die letzten 10 Wochen vor dem Rennen nutzte ich so effektiv, konzentriert und [...]