Mist, jetzt muss ich mich doch ärgern

Gepostet am 15. August 2011

Als ich mich irgendwann im Februar oder März für Regensburg anmeldete, plante ich eigentlich diesen Wettkampf als letztes Saisonhighlight zu setzen um nach Transalp und Maratona noch ein lohnenswertes Ziel vor den Augen zu haben, wo ich dann auch im Wasser und in den Laufschuhen nochmals nochmals ran dürfte. Im Grunde genommen eine tolle Idee, doch unter den seit Ende April geänderten Vorzeichen und meiner ausschließlich auf den 8. Oktober ausgelegten Trainingsplanung, die für schnelle Sachen eigentlich gar nichts mehr übrig hat, passte mein Auftritt beim gestrigen Triathlon in Regensburg nicht mehr so recht in den Plan. Kurze heftige Belastungen und Tempo-Training sind wahrscheinlich das letzte was ich brauche um auf Big Island nach, sagen wir einmal, 11 Stunden ins Ziel zu kommen, mir fehlt es eher noch etwas an der Ausdauer für solche ganz langen Sachen.

Hätte ich mich nicht schon längst dort angemeldet, wäre ich also nicht wirklich auf Idee gekommen das “kostbare” verlängerte Trainingswochenende für einen schnöden Kurzdistanz-Wettkampf zu “opfern”. Okay, ganz so schlimm war es dann doch nicht, denn tolles Wetter und ein hervorragend organisiertes Rennen mit anspruchsvoller Streckenführung rechtfertigten im Nachhinein auf jeden Fall die Teilnahme am 14. Regensburger Triathlon zu 100 Prozent. Das einzige Manko am gestrigen Tage war letztlich meine leider alles andere als ernsthafte Vorbereitung auf das Rennen. Einziges Ziel im Oktober, das heißt keinerlei Rücksicht auf Sonntag, und so steckten  zwei Trainingseinheiten vom Donnerstag, eine richtig harte Koppeleinheit vom Freitag und 112 wellige Kilometer auf dem Rad am Samstag in meinen Beinen. Samstag Abend nach der Sportschau war ich somit verständlicherweise bereits ganz schön platt und noch dazu wurde es, nachdem endlich mal das Wetter passte, beim Biergartenbesuch doch etwas später. Ideale Vorbereitung sieht anders aus, aber egal, dachte ich mir, bei dem starken und großen Teilnehmerfeld hatte ich mir sowieso nichts auszurechnen und so sparte ich auch noch die ca. 30 Minute ein, die ich vor Wettkämpfen immer investiere um mein Rad wettkampfbereit zu machen. Zwar war es vom letzten Wochenende noch halbwegs sauber und gepflegt, doch die schnellen und vor allem leichten Laufräder mit guter Bereifung wurden erst gar nicht moniert, Werkzeug, Pumpe und alle Flaschenhalter blieben dran und auch die Kette hätte man sicher auch mal wieder ölen können. Logisch, dass dann auch Aerohelm und schneller Einteiler folglich auch im Schrank blieben, auf die paar Sekündchen sollte es ja nicht ankommen, ich wollte einfach nur einen richtig harten Trainingstag unter Wettkampfbedingungen absolvieren und schauen wo ich damit am Ende rauskommen würde.

Als um 6.20 Uhr schließlich der Wecker klingelte dachte ich erst an einen schlechten Scherz. Erst dann realisierte ich, dass es Zeit war sich aufzumachen in Richtung Oberpfalz. Schnelles Frühstück, ab ins Auto und aufgrund leerer Strassen war ich auch schon um 8.15 Uhr am Wettkampfort. Bis zum Start konnte ich noch ein paar bekannte Gesichter begrüßen, alles vorbereiten ausgiebig trinken und mich dann auf zum Donaukanal zu machen. Beim Anlegen meiner Neopren-Montur, die Wassertemperatur war mit 18 Grad angegeben, riss ich mir passend zu den restlichen unvorteilhaften Umständen dann noch einen ordentliches 10 Zentimeter langes Loch im Hüftbereich in den Neoprenanzug, ehe nach kurzem Einschwimmen zur virtuellen Startlinie um 10.15 Uhr endlich der Startschuss fiel. Mein Neo hatte sich bis dahin schon ordentlich mit Wasser aufgeplustert.
Obwohl der Kanal  relativ breit war und es einfach nur gerade aus bis zu Wendeboje ging wurde die erst Hälfte des Schwimmens zur relativ unruhigen Prügelei und es war schwer in so etwas wie einen Rhythmus zu kommen. Erst auf dem Rückweg zum Ausstieg wurde es etwas sortierter, so sortiert sogar, dass ich ganz ohne Wasserschatten “alleine im Wind” schwimmen musste. Ich hatte kein so rechtes Gefühl wie ich im Feld liegen würde, aber mit meiner Zeit von 23:46 Min kann ich letztlich mehr als gut leben. Ich brauche einfach die harte Auseinandersetzung beim Schwimmen um auf  Touren zu kommen, wie es scheint. Schaut man im Quervergleich mal auf die Zeiten scheint die Schwimmstrecke zum einen halbwegs korrekt vermessen gewesen zu sein, zum anderen bin ich mit dem Rückstand auf die erreichbare Konkurrenz für meine Verhältnisse noch ganz gut dabei und auch mit Platz 71 von knapp 300 Herren kann ich ebenfalls gut leben. Ganz zu schweigen davon, dass für 2011 nach Rapperswil und Kulmbach überhaupt erst das dritte Mal war, dass ich meinen Neoprenanzug anhatte.
Nach relativ langsamen Wechsel, zur Sicherung meiner Füße, die in den kommenden Wochen noch für den ein oder anderen Trainingslauf gebraucht werden, zog ich mir noch schön ordentlich ein paar Socken an, ging es über die Oberpfalz-Brücke auf die Radstrecke, wo der ich nur wusste, dass sie wellig sein würde mit einem steilen aber kurzen Anstieg gleich zu Beginn. Das Höhenprofil habe ich leider erst jetzt im nachhinein auf der Seite entdecken können und ich weiß auch nicht, was die passendere Bezeichnung gewesen wäre, aber als wellig würde ich die Strecke nicht wirklich bezeichnen. Erst ging es circa sechs Kilometer in drei Stufen bergauf, so dass ich mich fast schon an die Alpen erinnert fühlte, dann erst kamen die so genannten Wellen. Bis Kilometer 25 gab es meiner Erinnerung nach kein wirkliches Flachstück zu absolvieren,mehrmals ging es also mit viel Kraft und im relativ hohen Gang im Wiegetritt bergan, dann folgten wieder flotte Abfahrten mit Tempo 60+. Eine wirklich anspruchsvolle Strecke, auf der es sicher eines nicht wurde: langweilig. Erst auf dem Weg zurück nach Regensburg wurde es weitgehend flach dort machte sich dann aber der aufkommende Gegenwind aus südlicher Richtung bremsend bemerkbar. Trotz meiner alles andere als frischen Beine, die sich schon nach 15 Minuten so anfühlten wie normalerweise nach zwei Stunden, kam mir so eine Strecke entgegen. Insbesondere bergauf konnte ich rasch Platz um Platz gut machen, wurde dabei nur von einem Konkurrenten überholt, den ich zwar bergauf noch zweimal rücküberholen konnte, der aber hinten raus mit vollem Aero-Equipment in den schnellen und flachen Passagen immer wieder größere Lücken rausfahren konnte und schließlich außer Reichweite davon fuhr. 36 Plätze konnte ich in meiner derzeit sicher besten Disziplin gut machen und mich somit bis auf Platz 35 nach dem Rad vorarbeiten. Es lief also ganz gut und zieht man die beiden in die Radzeit eingerechneten Wechsel ab, brauchte ich für die Radstrecke selbst gestoppte 1:00:15 Std, wobei hier fairerweise erwähnt werden muss, dass mein Tacho am Ende 37,5 Kilometer anzeigte. Auch wenn es damit keine vollen 40 Kilometer waren, Teilplatzierung 27 (inkl. lahmer Wechsel) und ein mit 37 Sachen noch immer ordentlicher Schnitt sind der Umstände entsprechend ganz passabel, wie ich denke.

Besonders geschont hatte ich mich auf der Radstrecke nicht gerade, vor daher war mir von Beginn an klar, dass der Lauf zum Überraschungsei werden sollte. Dass ich die 10 Kilometer unter 40 Minuten laufen könnte, sonst eigentlich mein normales Kurzdistanz-Triathlon-Lauftempo, hielt ich für ausgeschlossen. Woher sollte es auch kommen, richtig schnell gelaufen bin ich seit Ende Mai in Waging nicht mehr (B2RUN zählt nicht)? So ging ich also im gefühlten “So-gerade-noch-flott”-Tempo auf die zum Teil doch sehr off-roadige Laufstrecke entlang von Donau und Kanal. Durch eine kleine Umleitung am Dultfestplatz wurde schon angekündigt, dass die Strecke wohl etwas länger sein sollte als 10 Kilometer und schaut man am Ende wieder auf die Laufzeiten der Top-Leute (Sieger Dreitz lief in Erding auf exakter Strecke eine flache 34, der Zweitplatzierte Neef läuft tendenziell sogar noch schneller), dann tippe ich sogar auf knapp über 11 Kilometer, was am Ende meine 45er-Laufzeit wieder positiv relativieren würde. Ich fühlte mich zwar nicht so schnell wie sonst, aber dennoch lief es nicht schlecht (was auch an den Überrundungen liegt) und zum Ende hin wurde es wie immer schwer den Schritt beizubehalten. Nachdem ich über die vier Runden erst ganz zum Ende von Runde 3 überrundet wurde war ich absolut zufrieden mit meiner Leistung und da störte es auch nur wenig, dass ich auf den letzten 500 Metern noch zwei Mann an mir vorbei ziehen lassen musste. Auf einen Schlussspurt, mit dem ich mich dann richtig abschießen würde, hatte ich einfach keinen Bock mehr zumal die beiden Kerle nicht nach meiner AK aussahen ;)  In der Gesamtwertung konnte ich auf der Laufstrecke trotzdem noch vier Plätze gut machen und damit die 31-ste Laufzeit erzielen (mal wieder exakt wie Gesamtplatzierung, das kenne ich schon), da wäre sicher noch viel Spiel nach oben gewesen.

Nachdem die offizielle Ergebnisliste gestern Abend noch korrigiert wurde (beim Aushang nach Zielschluss wurde ich noch auf Platz 4 in der AK geführt) schaffte ich es heuer zum dritten Mal (beim dritten Start über die Nicht-Mitteldistanz) um wenige Sekunden am Podestplatz vorbeizuschrammen. Wäre ich hier mit “richtigen” Ambitionen (passende Vorbereitung, ausgeruhter Zustand, bestes Material) gestartet, wäre ich mit einer Zielsetzung Top-3 bis Top-5 ins Rennen gegangen, die ich jetzt auch “so” erreicht habe. Am Ende steht mit Platz 31 in der Geamtwertung und einer 2:12 Std eine für diesen Kurs sehr ordentliche Endzeit und so ärgere ich mich nun ein bißchen, dass ich diesen Wettkampf nicht so richtig ernst genommen habe. Klar, es ist immer müßig festzulegen wie viel Zeit unter besseren Vorbedingungen drin gewesen wäre, da hätten schon viele Leute viele Renen gewinnen können, aber die 90 fehlenden Sekunden auf die Top-20 und AK-Rang Platz 3 (in der AK-Wertung) wären allein schon mit Wechsel, ordentlichem Material und Endbeschleunigung drin gewesen, dazu hätte ich mich im Prinzip gar nicht mehr anstrengen müssen. Auf AK-Rang 2 (gesamt Platz 15) liegt genau der eine Kollege, der mich am Rad letztlich hat stehen lassen, und den ich niemals hätte vorbei lassen dürfen, so dass ich hier denke, dass ich zumindest sehr nah hätte dran sein können zumal auch die Laufzeit normalerweise machbar hätte sein müssen.
Jaja, wennhätteundaber … So entspannt wie ich in das Rennen gegangen bin, so sehr ärgert es dann mich doch, dass ich diesen tollen Wettkampf (gute Orga, anspruchsvolle Strecken, schöner zentraler Zielbereich, zahlreiche Zuschauer), dereigentlich mal als Highlight geplant war, letztlich selbst verschuldet “verpatzt” habe. Nach meinem Sieg in Kelheim 2010 hätte das ergebnismäßig hätte ein weiteres Highlight in der Oberpfalz werden können, doch so bleibt mir am Tag danach nur positiv mitzunehmen, dass die Formkurve für Hawaii auf jeden Fall in die richtige Richtung zeigt, denn mit so einer Leistung hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Vor allem aber gilt für mich, dass ich ganz bestimmt irgendwann noch mal dabei sein muss bei diesem Rennen. Dann aber zu 100 Prozent und richtig vorbereit, versprochen, denn dann will und werde ich auf dem (AK-)Podest stehen. Und zwar bevor ich in der AK M60 ran darf!



Eine Reaktion zu “Mist, jetzt muss ich mich doch ärgern”

  1. Projekt 2011 » Blog Archive » Streichergebnis: Triathlon Regensburg am 14.08.2011 meinte:

    [...] das jetzt Dein Wetter?” Vollkommen überrascht schaute ich mich um und sah Sportsfreund Christian, der auf seinem Weg nach Kona, Hawaii, einen kurzen Zwischenstopp in Regensburg eingelegt hat. [...]