Die Berge kommen

Gepostet am 23. Juni 2011

Guckt man auf mein Trainings-Logbuch der letzten Tage seit dem Rennen in Kulmbach findet sich dort erstaunliche Leere wieder. Gründe dafür gibt es einige. Zum einen war ich am Montag nach dem Rennen auch ordentlich bedient und brauchte in der Tat einige Tage Erholung um überhaupt wieder aktiv zu werden. Zudem spielte trotz theoretischem Sommeranfang das Wetter auch nicht so recht mit, so dass meine Motivation auf herbstlich-nassen Outdoor-Sport ebenfalls etwas gedämpft war. Komponete 3, die mal wieder richtig reinhaute: Arbeit. Ich hab mir mal wieder den Spaß gemacht grob meine Zeiten mitzuschreiben, für die Dank Feiertagen nur sieben Arbeitstage der letzten beiden Wochen komme ich auf erstaunlich-erschreckende 72 Arbeitsstunden und bis morgen Abend muss ich noch die ein oder andere Sache fertig machen bzw. auf den Weg bringen, es kommt also noch was dazu.
Summa summarum kam ich also über die letzten zwei Woche gerade mal auf zwei flotte Radeinheiten mit jeweils 60 Kilometern, kurzfristig eingestreute 4,5 Schimmkilometer und gute 20 Laufkilometer. Klassisches Off-Season-Programm also, aber dennoch durchaus nicht ganz ungewollt ;)

Wie bereits lange angekündigt, am Sonntag startet in Sonthofen die diesjährige TOUR-Transalp, ein siebentägiges Etappenrennen auf dem Rennrad über zahlreiche der schönsten und härtesten Passstrassen der österreichischen und italienischen Alpen. Bereits im Dezember angemeldet, galt meine Konzentration für 2011 bis zum 15. April fast ausschließlich diesem Event und entsprechend wurde auch das Trainingsjahr mit insgesamt drei fast reinen Rennrad-Wochen (Gran Canaria, Mallorca, Rimini) geplant. Das erste Ergebnis dieser guten Vorbereitung konnte ich bereits in Kulmbach einfahren und ging es mir in den letzten Tagen eigentlich nur noch darum “den Motor einigermaßen warm zu halten” und ausgeruht am Sonntag in Sonthofen an den Start zu gehen. Logisch, dass mich bei dem Schmalspur-Programm etwas das schlechte Gewissen plagt, aber letztlich denke ich ein ein paar Kilometer mehr in den letzten Tagen sicherlich nicht den entscheidenden Unterschied machen. Seit Januar dieses Jahres habe ich in Summe knapp 4.800 Kilometer und fast 50.000 Höhenmeter auf dem Rad eingefahren, dazu kommen noch circa 800 Fahrradkilometer Büroweg und einige Stunden harter Spinning-Sessions. Im Quervergleich zu “echten” Rennradlern mag das vergleichsweise wenig sein, für meine Ambitionen ein durchaus bemerkenswertes Programm, zumal die zahlreichen Stunden im Schwimmbecken und in den Laufschuhen der allgemeinen Fitness auch nicht gerade schaden sollten. Rein vorbereitungstechnisch stehe ich also, abgesehen von den letzten Tagen, absolut im Soll. Gut so.

7 Tage, 917 Kilometer, fast 20.000 Höhenmeter, sieht klingt schon mal nach harter Arbeit und ich gebe zu, zum ersten Mal in meiner nun fünfjährigen Karriere im Rad- und Ausdauer habe ich richtig Respekt vor der Strecke und bin etwas unsicher. Jede der einzelnen Etappen ist sicherlich gut in vier bis sechs Stunden fahr- und machbar und führt über einige der schönsten Pässe der Alpen. Genau das war auch der Grund für meine Anmeldung, tolle Strecke, knackige Anstiege, legendäre Alpenstraßen. Das Ganze nun im Rennmodus ist ganz sicher eine ganz andere Hausnummer! Im Wissen darüber, dass ich sobald irgendwo ein Startschuss fällt, mit meinen Kräften zumeist nicht besonders haushälterisch umgegangen bin und daher meine “Schwäche” sicherlich auf den langen Strecken liegt, wage ich hier absolut nicht irgendwelche Aussagen über den Rennverlauf zu machen. Das Rennen ist natürlich topp besetzt und gilt nicht umsonst als die “Tour de France der Amateur-Fahrer”, das pusht sicherlich nochmals ordentlich in Sachen Motivation, aber am Ende gilt es dann eigentlich “nur” die vermutlich rund 35 bis 40 Stunden im Sattel gut zu überstehen. Ich bin Stand heute zwar absolut überzeugt, dass ich mit meinem Teampartner Andreas, der das Ganze 2010 bereits erfolgreich und flott absolviert hat, ein gutes Team (AC Express, Startnummer 227) bilden werden, das wahrscheinlich gut im ersten Viertel des Feldes mitfahren kann, ob mein Körper, insbesondere Beine und Rücken werden sich 1000-przentig ordentlich bemerkbar machen, jedoch nach Tag 3 oder 4 noch an meine normale Tagesleistung herankommen kann ist für mich ein absolutes Fragezeichen. Gut fahren, ausreichend erholen und klar im Kopf sein, darauf wird es ankommen, wenn es insbesondere zum Ende hin richtig hart werden wird.
Klar ist auch, dass dazu sicherlich auch etwas Glück von Nöten sein wird, denn ein Radrennen mit rund 1.300 ambitionierten Teilnehmern und vielen schnellen Abfahrten ist nun mal alles andere als eine ungefährliche Sache. Zum Glück teile ich hier mit meinem Teampartner die Auffassung, dass die Maxime Nr.1 sein wird vor allem gesund und mit heilem Material in einer Woche in Arco anzukommen. Letztlich ist sowieso klar, dass sich unser Rückstand auf die Spitze im Bereich mehrerer Stunden bewegen wird (Schätzung ca. 60 Minuten pro Tag). Ob am Ende Platz 157 oder 289 rausspringt, spielt im Endeffekt keine große Rolle, wen interessiert das am Ende, die anderen können auch gut hinhalten. Die Herausforderung wird jeden Tag aufs Neue durch Strecke und Gelände gesetzt, so wird das Ganze zu 150 Prozent hart genug, da muss ich nicht noch um in der letzten Abfahrt um 45 Sekunden oder einige Plätze kämpfen. Entsprechend steht der “Spaß am Erlebnis Transalp” für uns beide absolut im Vordergrund, die Ambitionen in Minuten und Sekunden überlassen wir den anderen.
Zur positiven Grundstimmung passen mittlerweile auch die Wetteraussichten für die Region, denn diese sind mittlerweile hervorragend. Eine Garantie für Sonne und angenehme Temperaturen gibt es im hochalpinen Gelände sicherlich nicht und daher ist es ganz sicher besser sich jetzt schon mal darauf einzustellen auch mal ordentlich nass zu werden und/oder einzweidrei schweinekalte Abfahrten zu überstehen. Wolkenlos und warm wie im Vorjahr, als ich mit Babsi im Urlaub in Crans Montana Sonne satt genießen durfte, wäre sicherlich äußerst stimmungsaufhellend und selbst 35 Grad im sonnigen Südtirol würden mich alles andere als abschrecken. Sofern es genug Wasser auf der Strecke gibt, darf es gerne auch prügelheiss werden.

Die Kerndaten zur Strecke hier:

Das Rad wird heute Abend noch final rennfertig gemacht (letzte Wartung, Montage der Pannenausrücstung und Hochglanz-Putz), morgen wird dann noch final gepackt, am Samstag geht es dann auf nach Sonthofen, wo mich die liebe Racing-Babsi dankenswerterweise ab- und dann ganz allein aussetzen wird. Alle Details zu den einzelnen Etappen auf der offiziellen Seite des Rennens, dort könnt ihr dann auch täglich die Tagesergebnisse verfolgen. Doch keine Sorge, über Twitter, Facebook und wenn sich Zeit findet hoffentlich auch im Blog hier werde ich versuchen meine treuen Leser auf dem Laufenden zu halten. Drückt Ihr einfach die Daumen, dann komme ich auch heil wieder zurück.

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