Den Alpen getrotzt

Gepostet am 21. Juni 2009

Juni-Wochenende Nummer 3 – und schon wieder ein Wettkampf. Diesmal aber wirklich, konsequent und so richtig richtig, denn der Alpen-Triathlon am Schliersee ist mittlerweile zu dem Fixpunkt im Rennkalender geworden. Hier gibt es keine Ausreden, keine Windschattenproblematik und keine Zufallserfolge, nein, auf der hammerharten Rad- und Laufstrecke sind wahre Kämpferqualitäten gefordert.
Wie schon vor ein paar Tagen angekündigt, trotz meiner in Kulmbach erlittenen Bänderverletzung am linken Sprunggelenk war klar, dass ich am Samstag pünktlich zum Startschuss um 11.58 Uhr an der Startlinie stehen würde. Zwei Voltaren und ein noch schnell vor dem Start montierter Tapeverband von der besten Mama der Welt, da kann doch eigentlich nichts schief gehen. Schon unter der Woche konnte ich noch eine schnelle Koppeleinheit, einen flotten Lauf und eine harte Intervalleinheit im Schwimmbecken relativ problemlos bewältigen, somit war ich absolut zuversichtlich am Samstag gut vorbereitet und hinreichend ausgeruht an den Start zu gehen. Nach einer Zeit von 2:35 Std. (Platz 62) im Vorjahr hatte ich grob eine 2:30 anvisiert, sollte alles ideal laufen.

Nachdem ich am letzten Samstag noch eine hohe 22er Zeit ins Wasser zauberte (sicherlich zu kurze Schwimmstrecke) und am Mittwoch beim Intervall-Training noch meine Bestzeiten pulverisierte war ich überzeugt diesmal auch am Schliersee eine ordentliche Zeit hinlegen zu können. Ich mach’s kurz: zeitenmäßig aber leider Pustekuchen. Zwar fand ich von Anfang an einen guten Rhythmus, fühlte mich schnell, sah nur sehr wenige mit mir gestartete orangen Badekappen vor mir und hatte meist guten Wasserschatten zum Dranhängen, doch als ich nach exakt 26:10 Min aus dem Wasser stieg war ich dann doch negativ überrascht. Wo war die Zeit geblieben?
Kurze Anmerkung: Auch einiger meiner Vereins- und Forumskollegen fühlten sich zeitlich etwas unter Wert geschlagen und im nachhinein bin ich zumindest mit den recht geringen Abständen zu eigentlich deutlich schnelleren SCW-Assen sehr zufrieden.

Nach einem kurzen Jog über die vom Regen des Vortages teilweise schlammige, aber zumindest durchgehend aufgeweichte Wechselzone schwang ich mich nach mittelmäßigem Wechsel (ich denke ich muss die Beine des Neos noch kürzen, das Ding flutscht zu wenig über die Füße) nicht auf meine Kuota Rennwaffe, sondern auf meinen noch am Vorabend gepimpten Leichtgewichtsrenner mit der Hoffnung am Berg und in den winkeligen Abfahrten klare Vorteile gegenüber einer guten Aeroposition auf dem Zeitfahrrad zu haben. Die ersten paar Kilometer geht es noch relativ flach hinaus Richtung  Hausham, ehe ab Agatharied der wirklich schwierige Teil der Strecke beginnt. Die nächsten 20 Kilometer bis Hundham geht es auf schmalen winkligen Sträßchen stets auf und ab, häufig auch mit zweistelligen Steigungsprozenten.
Auch auf dieser schweren Strecke fahre ich von Anfang an ohne Schonzeit volle Pulle und schon auf dem ersten Kilometer finde ich einen guten Tritt. Ab sofort befinde ich mich nun aufgrund meiner späten (vorletzten) Startgruppe permanent auf der Überholspur. Das Wetter ist zwar recht kühl, aber immerhin trocken und somit auch mit nicht besonders bremsfreudigen Carbon-Felgen gut flott fahrbar, zudem gibt es im Gegensatz zum Vorjahr auch fast keine Behinderungen durch langsamer fahrende vor mir gestartete Altersgruppen. Es wird glücklicherweise relativ diszipliniert gefahren und so erreiche ich nach exakt 35 Kilometern und 59 Minuten (Radzeit netto) den Fuß des Anstiegs hinauf zum Spitzingsattel. Selbst gestoppte 15:51 Min benötige ich für die rund 400 Höhenmeter hinauf zur Passhöhe und fahre dabei allein auf diesem Abschnitt mit Sicherheit an zweihundert Fahrern und Fahrerinnen vorbei.
Nach einer kurzen Abfahrt steige ich nach ca. 1:46 Std. in zweiten Wechselzone vom Rad und weiß, dass ich jetzt voll auf Kurs liege.

Augen zu und durch, nun geht es also auf die schwere Laufstrecke. Mit dicken Beinen geht es in Runde 1 zunächst spürbar bergab in die Valepp, dann aber gleich wieder um so heftiger bergauf. Runde 2 und 3 geht es dann rund um den Spitzingsee über (bei schönesm Wetter und gemütlichem Wandertempo sicherlich) idyllische Wanderwege und etwas später eine massiv verschlammte Kuhweide. Mit viel Kraft schleppe ich mich auch noch diese Anstiege hinauf, sammle weiterhin viele langsamere Läufer ein und jeder Kilometer wird nunzunehmend schwerer. Doch immerhin der Saft reicht um mit einer Zeit von 2:28:48 Std ins Ziel zu kommen wo mich die Alterklassen-Sieger des SCW (übrigens zwei von nur insgesamt vier Teilnehmern, die mich nach dem Schwimmen noch überholt hatten), mein persönlicher Fanclub und der diesmal ausreichend vorhandene Ziel-Kaiserschmarrn bereits erwarteten.

Fazit: Ein absolut gelungenes Rennen, und auch wenn von den Einzelzeiten her, beim Schwimmen und sicher auch auf der Laufstrecke noch etwas Luft drin ist, viel  besser hätte es eigentlich nicht laufen können. Am Ende reicht die Endzeit von 2:28:28 Std zu Platz 43 (von etwa 570 männlichen Startern) und für einen guten 12. AK-Platz (125 Platzierte in der AK M35, in allen anderen AKs wäre ich damit in den Top8). In Relation gesehen somit mit Sicherheit mein bestes Ergebnis meiner nun vierjährigen Triathlon-Karriere.

Mehr Bilder im angelegten Picasa-Album, als Teil der offiziellen Fotostory und (ab morgen) bei Triathlon.de, sowie alle relevanten restlichen After-Race-Informationen auf der offiziellen Webseite der Veranstaltung. Reinschauen lohnt sich hier wirklich!



6 Reaktionen zu “Den Alpen getrotzt”

  1. Reiner meinte:

    Gratulation zur wirklich sehr starken Leistung. Aber hoffentlich steht Voltaren nicht auf der Dopingliste :-)

  2. Reiner meinte:

    Drei Rennen im Juni und jedes mal eine andere Race-Klamotte…. das ist ja schon fast schlimmer als bei den Promi-Frauen aufm roten Teppich, wo man das Kleid auch nicht zweimal hintereinander anziehen darf :-o

  3. Chris meinte:

    Und das beste ist: Ich hab noch mehr :)

  4. Reiner meinte:

    Das ist ja klar, denn für den Saisonhöhepunkt in Wiesbaden muss man frisch rausgeputzt an den Start gehen ;-)

  5. Clearwater minus 2 – Auf der Zielgeraden | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] ich etwas falsch oder die anderen? Ausnahmen dieser Regel waren in diesem Wettkampfjahr nur am Schliersee und und in Wiesbaden, wo ich dafür jeweils auf den anspruchsvollen Strecken sehr gute Radsplits [...]

  6. Blick zurück | Blog[CHA] v2 meinte:

    [...] Form auf dem Bike im Juni (Schliersee und [...]



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