Ironman World Championships Hawaii 2011 – Mein Weg zum Ironman

Gepostet am 28. Oktober 2011

Als ich mich irgendwann im Jahr 2005 erstmals und damals noch eher mit dem Gedanken “aktive Beschäftigung in Kombination mit körperlicher Ertüchtigung” mit dem Thema Triathlon beschäftigte da war allein die Vorstellung “Ironman Hawaii” für mich etwa so weit weg wie der Mond. Wie für die meisten anderen heute aktiven Triathleten, waren (und sind es immer noch) eben genau diese einmal im Jahr als unterhaltende Beimischung diverser Sportsendungen gesendeten Bilder vom Ironman, die den Reiz und die Faszination diese Sportart überhaupt erst in mir erzeugten. Schwimmen, Radfahren, Laufen – hintereinander und ohne Pause, das schien irgendwie reizvoll.
Erst später als mich bereits etwas tiefer mit dem Thema beschäftigte und mein Entschluss reifte, endgültig vom Fußball auf Ausdauersport umzusteigen, kapierte ich, dass in diesem Sport unterschiedliche Rennen über unterschiedliche Distanzen gab, die jeweils eine besondere Spezialisierung erforderten.  Triathlet, ja, das wollte ich sein. Das klang nach neuen Zielen, großer Herausforderung, Individualität, Freiheit, Fitness und einen gewissen Lifestyle. Ein Ironman (damals kannte ich den Begriff Langdistanz noch nicht) bzw. ein Rennen über die Ironman-Distanz erschien mir jedoch für meine begrenzten Möglichkeiten erst mal unschaffbar. Einen Marathon laufen? Und das nach unfassbaren 180 Kilometern auf dem Fahrrad? Wie sollte das gehen? Ich kannte auch niemanden persönlich, der so etwas schon mal gemacht hatte.
Das Rennen in Hawaii setzte dem ganzen noch die Krone auf, entsprechend war dieser Wettkampf für mich nur etwas für Spinner, Halbtages-Jobber, Studenten oder Berufssportler (Polizei, BW, etc.), sprich für Normalsterbliche (wie mich) nicht machbar. Dachte ich.

Fast drei Wochen sind mittlerweile seit dem Rennen vergangen (die Veröffentlichung des Berichts wird erst etwas später machbar sein können). Fünf Stunden Verspätung waren für unseren Flieger angesagt (* am Ende wurde daraus eine Odyssee mit mehr als einem Tag Verspätung), als ich letzten Samstag am Flughafen von Kailua-Kona nach zwei tollen und vollen Urlaubswochen endlich die Zeit mein Rennen nochmals im Detail für meine treuen, interessierten und fachkundigen Leser im Detail zusammenzufassen. Die ordentliche Nachbearbeitung musste leider noch etwas auf sich warten lassen. Irgendwann musste ich ja auch wieder arbeiten.
Statusupdates habe ich ja bereits über Facebook gepostet, zudem habe ich auf Maui mal zwei Stunden hingesetzt um für die Vereinszeitschriften des SCK und SCW einen etwas allgemeineren Kurzbericht zu verfassen. Wie ihr aber wohl wisst, meine Rennen versuche ich stets ausführlich zu beschreiben und mit etwas Abstand lässt sich dies sicher auch ganz gut auf die Kernaussagen beschränken. In den kommenden Tagen werde ich dazu noch den ein oder anderen Bericht hier einstellen, zu Beginn der Serie ist es, wie ich glaube, aber durchaus nochmals wichtig meinen Weg dorthin zu skizzieren.

Schon 2001 absolvierte ich im Rahmen des Kuhsee-Triathlons meinen ersten Triathlon, einfach mal um zu sehen wie sich das so anfühlt. Ein paar mal vorher bin ich die 200 Meter quer durch den See geschwommen, mit meinem Trekking-City-Rad (als Verkehrsmittel) war ich schon immer viel und flott unterwegs und Laufen, das war das einzige was ich als Fußballer so halbwegs gut konnte. 2006 ging ich dann erstmals ernsthaft, also mit Training, an die Sache heran und absolvierte beim München Triathlon meine erste Kurzdistanz. Beim Schwimmen wurde ich noch ordentlich versenkt, aber am Ende war ich dennoch jeweils deutlich in der ersten Hälfte platziert. Das Blut war geleckt, ich wollte die Sache etwas gezielter angehen.
Irgendwann im Herbst 2006 besuchte ich zum ersten Mal das Schwimmtraining bei den Triathleten des SC Königsbrunn und besorgte ich mir dann bei Tonis Radleck mein heute noch aktives Triathlon-Rad und meldete mich im Übermut kurz vor dem Jahreswechsel, ohne zu wissen, was da auf mich zukommen würde einfach mal so für den traditionsreichen Allgäu-Triathlon in Immenstadt und den neu ins Leben gerufenen Ironman 70.3 in Wiesbaden an. Irgendwie würde ich auch das schaffen. Ich schwamm, radelte und lief, schaffte es ordentlich ins Ziel, aber irgendwie war mir die Streckenlänge einfach zu lang. Ein “richtiges Rennen” musste für mich maximal schnell und volle-pulle-anstrengend sein und eben nicht ein viel zu langes und eher zähes “Dahinbewegen”. Entsprechend war ich im Jahr darauf nur auf kurzen Distanzen unterwegs und merkte bald, dass ich mit mehr Erfahrung und größerer Grundlage noch immer schneller und besser wurde. Kurzdistanz war toll, aber irgendwie auch zu berechenbar, schon 2009 lockte wieder der “Reiz” der längeren Distanz, wo ich es über Wiesbaden nach Clearwater zu den 70.3 World Championships schaffte. Ich (als kleiner Feierabend-Triathlet) bei einer Weltmeisterschaft – wie sollte ich das mit meinen Möglichkeiten noch überbieten können?

Einer der schwierigsten und gleichzeitig landschaftlich schönsten Ironman Wettbewerbe findet jedes Jahr Ende Mai auf der Kanareninsel Lanzarote statt. Es ist mein großer Traum an einem von diesen legendären Rennen teilzunehmen und durch Vulkane zu biken und im offenen Meer zu schwimmen. Dank eines Ricardo Gutscheincode habe ich mir unlängst einen neuen Neoprenanzug gekauft, der hervorragend fürs offene Meer geeignet ist. Los geht es beim Lanzarote Ironman um 7 Uhr morgens im Touristenort Puerto del Carmen. Man schwimmt rund 4 Kilometer im offenen Meer bevor es über den Strand zur Straße geht, wo die Fahrräder warten. Die Fahrradtour von 180 Kilometer führt durch die mondähnlichen Vulkanfelder der Insel und bis auf eine maximale Höhe von 600 Metern. Sonne und Wind machen diesen Teil zu einer ganz harten Übung. Gelaufen wird schließlich entlang der Küste zwischen Puerto del Carmen und Arrecife.

Das Thema Langdistanz wanderte irgendwann im letzten Jahr erstmals in meinen Kopf. Mit zunehmender triathletischer Erfahrung verliert die zuvor noch unfassbar lange Strecke spürbar an ihrer Unbezwingbarkeit. Links und rechts um sich herum sieht und kennt man immer mehr und mehr Leute, die in Roth, Frankfurt oder bei anderen Ironmans finishen und gut abschneiden, die ich auf kürzeren Strecken schon (deutlich) schlagen konnte oder die zumindest nahe an meinem Leistungsniveau dran sind bzw. waren. Irgendwie hatte es auf einmal jeder drauf und lässt man die für meine Verhältnisse noch immer sooo langen Distanzen mal außen vor, ein Langdistanz-Finish müsste also ebenso machbar sein. Alles andere würde den (vermeintlichen) Leistungsstand nicht widerspiegeln. Dennoch, der Zusatzsatzaufwand, den ich meinte betreiben zu müssen um einen Ironman nach meinen Maßstäben, sprich eben nicht als Irgendwie-Finisher, sondern als aktives Rennen, passabel zu bestreiten erschien mir mit regelmäßigen 50-Stunden-Arbeitswochen schlicht nicht machbar (und lohnenswert).

Irgendwann kurz vor Weihnachten letztes Jahren habe ich dann ohne großen Gedanken ein paar Dollar in den Kauf eines Los zur für die Ironman Lottery gesteckt. Langdistanz? No way! Aber Hawaii wäre irgendwie schon mal reizvoll. Meine realistische Chance war sowieso gleich Null.
Mitte April traf mich dann der Schock. Erst hielt ich die Mail für Spam, dann dann wurde mir klar, ich hatte einen Startplatz gewonnen. Es brauchte in der Tat einige Tage bis ich mich darüber auch wirklich freuen konnte, zuerst war ich einfach nur geschockt, dass ich jetzt “einfach mal so” nicht nur einen sondern DEN Ironman bestreiten sollte.
Meine gesamte Saisonplanung war bis dahin auf die TOUR-Transalp ausgerichtet, Triathlon war nur als abwechslungsreiche Beimischung gedacht um mit ein paar Wettkämpfen über den Sommer zu kommen und dabei gesamtheitlich fit zu bleiben. Mit all dem was man in exemplarischen Langdistanz-Trainingsplänen so ließt war die Sache objektiv gesehen nicht zu machen. Dennoch, mein Quervergleichsdenken stimmte mich optimistisch, ich musste “nur” irgendwie “länger werden”, daher melde ich mich rasch noch im Juni noch für zwei Mitteldistanz-Rennen an, behielt aber erst mal meinen Schwerpunkt trainingstechnisch klar auf dem Radfahren. Ich hatte einen Riesen-Respekt vor dem was dort bei der Transalp über sieben Etappen auf mich warten sollte, trainierte gezielt wie nie zuvor und schaffte es Ende Juni mit einer für mich optimalen Form in Sonthofen ins Rennen zu gehen. Hatte ich zu Beginn noch Zweifel die 920 Kilometer überhaupt zu schaffen, kämpfte mich mit meinem Team-Partner Andreas überraschend gut durch die sportlich mit Abstand härteste Woche meines Leben. Noch nie war ich körperlich dauerhaft derart an der Grenze, war aber nach dieser Erfahrung im Anschluss daran absolut optimistisch irgendwie auch die Herausforderung Ironman Hawaii meistern zu können. Ich hatte zwar bislang noch nie mehr als 3,1 Kilometer schwimmend in einer Trainingseinheit zurück gelegt und mein längster Lauf aller Zeiten müssten so circa 23 Kilometer gewesen sein, aber am Ende würde es wohl “nur” darum gehen ein paar Stunden mehr im Grundlagentempo zu schwimmen, Rad zu fahren und am Ende irgendwie den Marathon zu überstehen. Könnte also doch irgendwie machbar sein.

Wie im letzten Beitrag kurz vor dem Rennen bereits geschrieben, die letzten 10 Wochen vor dem Rennen nutzte ich so effektiv, konzentriert und fokussiert wie noch nie für mein Training zur spezifischen Ironman-Vorbereitung. Schwimmen, das würde ich schon irgendwie schaffen, auf dem Rad müsste ich “nur” mein gemäßigtes Grundlagentempo auf die Straße bringen und beim abschließenden Lauf würde ich mich, wenn ich schon mal da bin, dann auch noch irgendwie durchkämpfen. 42 Kilometer laufen, das schien für mich der Knackpunkt, folglich legte ich meinen Schwerpunkt auf das Thema Lauf, jedoch ohne dabei annähernd an das heranzukommen was in definitiv jeder Literatur zum Thema Langdistanz-Training geschrieben steht. Im Wasser und auf dem Rad war gerade mal Formerhalt angesagt, schwerpunktmäßig versuchte ich daher durchwegs so häufig wie möglich die Laufschuhe zu schnüren. Die Wochenkilometer lagen meist so um die 50, doch mein längster Trainingslauf müsste dabei gerade mal so bei 19 Kilometer gelegen haben. Glaubt man allen Empfehlungen, viel viel zu wenig, aber durch die konstant hohe Belastung schaffte ich es zumindest noch in der Vorbereitung den Halbmarathon in Karlsfeld zu laufen. Erfreulicherweise mit persönlicher Bestzeit, das gab noch mal einen Schub Selbstvertrauen, dass die Form stimmte..

Ich hatte getan was ich konnte und obwohl viele Fakten gegen mich sprachen, was ich zuversichtlich, dass dies reichen müsste um ordentlich ins Ziel zu kommen. Den Speed (bei Rad und Lauf) hatte ich drauf, ich durfte nur nicht überpacen.
Mehr als eine Woche vor dem Rennen waren wir bereits in Kailua, die Herausforderung in der Pre-Race-Woche in Kailua-Kona lag dann schließlich nur noch darin sich vom Wahnsinn drumherum nicht anstecken zu lassen, cool zu bleiben um letztlich ausgeruht und fit am Samstag um 7 Uhr an der Startlinie zu stehen bzw. zu treiben. Unbeschreiblich was da in der Rennwoche abgeht. In jeder Hinsicht …
Das Ergebnis ist bekannt: es reichte und das am Ende auch noch deutlich schneller als zuvor gedacht. Daylight-Finish (Bericht über den Rennverlauf folgt in Kürze). Und das mit mehr als 20 Minuten Puffer. Mit durchwegs defensiver Renneinteilung und realistischer Einschätzung meiner Möglichkeiten schaffte ich es bis Kilometer 30 auf der Laufstrecke fast exakt im vorher im Kopf zusammengestellten Ideal-Zeitplan zu bleiben ohne, dass ich dabei wirklich leiden musste. Relativ unspektakulär war das was ich da vor zwei Wochen ablieferte, auch wenn ich trotzdem noch hart dafür arbeiten musste. Dafür macht mich nun der erreichte Ergebnis um so fröhlicher.

Den letzten Kilometer bis zum Ziel werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Im Wissen um meine nur im best-best-case für denkbar gehaltene Leistung lief ich lockeren Schritts und mit einem Honigkuchenpferd-Grinsen die letzten Meter zum und über den Zielkanal, genoss noch einmal die Anfeuerungen von draußen und bekam gerade noch so am Rande mit wie der Ironman-Sprecher Mike Reilly meinen Namen ausrief. Niemals erwartet, aber in weniger als 11 Stunden stand ich da im Zielbereich mit Finisher-Handtuch und Medaille.

Noch vor etwas mehr als einem halben Jahr hätte ich all dies niemals für möglich gehalten, seit dem 8. Oktober um 17.42 Uhr Ortszeit ist die Vision, die irgendwann in lange vergessenen Zeiten tief in mir einst den Knopf drückte sich überhaupt erst ein mal diesem fantastischen Sport zu stellen, zur Realität geworden: I am an Ironman.

Selbst knapp drei Wochen später – irgendwie noch immer nicht real …

DAY-LIGHT-FINISH

Gepostet am 13. Oktober 2011

Damit nicht nur alle Infos über Facebook laufen. Soll ja noch Menschen geben, die dort nicht mitmachen wollen.
Allerbesten Dank an alle, die mich vor, während und nach dem Rennen so toll unterstützt haben Fast schon unglaublich wie viele Glückwünsche ich bislang schon entgegen nehmen durfte. Toll, toll, toll!

Alle harten Fakten zum meinem Rennen im offiziellen Ergebnis-Tracker hier einsehbar:
http://tracking.ironmanlive.com/newathlete.php?rid=&race=event%2Fironman%2Fworldchampionship&bib=1317

Da grinst wohl einer wie ein Honigkuchenpferd :)

Hätte im Leben nicht gedacht, dass mein Raceplan derart gut aufgehen könnte. Um so besser, jetzt bin ich ein Ironman! Ein richtiger.

Morgen geht’s los – letzte Statements vor dem Rennen

Gepostet am 8. Oktober 2011

Und? Schon nervös? Already excited?
Die Frage wird mir mit zunehmender Häufigkeit schon seit  einigen Wochen von jedmöglicher Seite gestellt. Verständlicherweise, denn grundsätzlich hätte ich sicherlich allen Grund hier etwas unlocker zu sein. Komischerweise ist aber schon seit Wochen genau das Gegenteil der Fall. Ich schlafe hier mittlerweile gut und aus, bin weder nervös, noch angespannt, sondern freue mich einfach nur die Chance bekommen zu haben hier beim Rennen der Weltbesten am Ursprungsort des Triathlonsports dabei zu sein.
Gerade für mich gibt es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen und ich stand während meiner gut fünf Jahre im Ausdauersport immer wieder vor neuen und scheinbar (zu) großen Herausforderungen, die ich allesamt souverän und mit einem klaren Plan im Kopf gemeistert habe. Oft habe ich mich dabei gefragt wie ich das schaffen soll, am Ende war es teilweise sogar besser/schneller als selbst erwartet. Entsprechend locker gehe ich (wohl als einer der wenigen) auch an dieses Rennen heran, das für mich als Rookie eigentlich fraglos eine Nummer zu groß sein müsste. Anyway, ich rede mir zumindest ein, dass ich hier selbstbewusst ins Rennen gehen kann. Ein paar der Jungs aus dem süddeutschen Raum, die hier am Start sind, habe ich auf kürzeren Strecken schon hinter mir gelassen, also vor was sollte ich also Angst haben? Es wird einfach nur ein sehr langer Trainingstag, den ich einfach nur überstehen muss und folglich bin ich einfach nur voller Vorfreude auf das was da morgen passieren wird, obwohl ich weiß, dass ich während des Rennens da draußen alles andere als happy sein werde ;)

Und? Fit für das Rennen?
Die zweite häufig gestellte Frage. Auch das ist erstaunlicherweise leicht zu beantworten: Klar!
Jeder Ausdauersportler kennt das. Wann hat man schon mal “genug” gemacht für seinen nächsten großen Wettkampf? Nie. Immer mal wieder kommt irgendwas dazwischen, einige Einheiten fallen aus, alle anderen machen dauern mehr und ständig plagt einen das schlechte Gewissen. Ich kann für mich sagen: über das ganze Jahr gesehen, ich habe gemacht was ich machen konnte. Erst lag der Schwerpunkt vielleicht (für Triathlon-Training) zu sehr auf dem Radfahren, Transalp ging einfach vor, die letzten zehn Wochen, also die spezifische Vorbereitung  nach der Transalp habe ich allerdings so intensiv wie noch nie genutzt. Regelmäßig schwimmen, konstante (für mich hohe) Laufumfänge und fast ausschließlich Radeinheiten auf dem Zeitfahrrad. Mehr als die durchschnittlichen 12 bis 14 Wochenstunden sind bei mir und auch angesichts von 50-Stunden-Arbeitswochen einfach nicht drin.
Folglich kann ich sagen: Fitter geht’s nicht (bei mir), ich bin dort wo ich realistischerweise sein kann. Ich schwimme halbwegs konstant, bin auf dem Rad nicht allzu weit von meiner Super-Form der Transalp weg und habe mich beim Laufen soweit stabilisiert, dass ich zuversichtlich bin auch das Doppelte meiner normalen “langen” Läufe ordentlich absolvieren zu können. Viel mehr ist für mich einfach nicht drin und entsprechend bin ich absolut überzeugt, dass dieses Level reichen wird um morgen hier einigermaßen über die Runden zu kommen.

Und? Was ist Deine Zielsetzung?
Die Frage aller Fragen. Die Antwort in englischer Kurzform: Keep my game plan – dann kommt alles andere von selbst.
Klar ist, ich werde hier weder gewinnen, noch irgendwelche Bestzeiten aufstellen, mein einziges wirkliches Ziel hier ist “ordentlich” dabei zu sein. Ich werde versuchen mein Rennen zu machen und das Ganze so kontrolliert wie möglich anzugehen. Wenn das gelingt kommt der Rest von ganz allein. Ein solides Finish in einer Zeit mit der ich sicherlich nicht als letzter meiner AK über die Ziellinie kriechen werde. Die Devise lautet also: ruhig und kontrolliert schwimmen und dabei versuchen sich aus den gröbsten Prügeleien rauszuhalten. Allein schon aus Komfortgründen werde ich mich beim Wechsel komplett neu und radspezifisch einkleiden und dann erst mal sachte auf der Radstrecke angehen. 180 Kilometer sind lang und vor allem hinten raus ab Kilometer 130 wird die Strecke richtig tough. Hitze, Wind und die niemals flache Strecke werden mir bis dahin sicher genug zu schaffen machen, also wird versucht noch genügend im Tank zu haben um halbwegs kontrolliert zurück bis ans Kailua-Pier zu kommen. Dann wird wieder gemütlich abgestiegen, alle Klamotten frisch gewechselt und danach geht mein Rennen erst richtig los. Noch habe ich keine Ahnung wie ich den Marathon überleben soll, aber andererseits, wenn ich nicht überziehe, dann sollte ich das Ding irgendwie nach Hause bringen. Die Strecke habe ich mittlerweile komplett gesehen und in verwertbare Teilstücke aufgeteilt. Vielleicht bin ich ja etwas naiv, aber seit dem erscheint mir das Ganze irgendwie gut machbar.
Soweit also der Plan. Mit der Taktik sollte es morgen irgendwie klappen trotz der saustarken Konkurrenz hier im Feld mitzuhalten. Wenn ich also nur halbwegs mein Grundlagen-Tempo auf die Straße bringe, dann müsste am Ende auch die Zielzeit ganz passabel sein. Sollte es irgendwie mit dem plan nicht so ganz klappen, auch nicht schlimm. Mit dem Riesen-Support von allen Seiten wird es am Ende für mich nur entscheidend sein hier die Ziellinie zu sehen. Ein Ironman-Finish auf Hawaii, viel mehr werde ich als Triathlet ganz sicher niemals erreichen.

Zum Abschluss schon mal an dieser Stelle den allergrößten Dank an all den Support und die Unterstützung von Euch. Ob Material, Tipps, Trainingshilfen oder Aufmunterungen, Ihr könnt sicher sein, dass dies einen Großteil meiner Motivation ausmachen wird um morgen über zehn, elf oder mehr Stunden wirklich allesallesalles zu geben.

Mahalo nui loa!
Es wird zu Hause auf jeden Fall eine ordentliche Party geben!!

Letzter Test im Erwartungsbereich

Gepostet am 24. September 2011

Samstag Nachmittag, tolles Wetter und Dank Tonis Hilfe (DANKE für den tollen Support) ist mein Radl für Hawaii bereits fachgerecht verpackt. Es blieb also etwas Zeit um kurzfristig dann doch noch heute Nachmittag, und somit exakt 14 Tage vor dem Startschuss im warmen Pazifik, zum letzten Vorbereitungswettkampf dieser Saison 2011 anzutreten. Fast direkt vor der Haustür fand zum 15-ten male der Oberhachinger Herbstlauf über 10 Kilometer statt, bei dem ich im Vorjahr noch aus heiterem Himmel eine persönliche Bestzeit erlaufen hatte. Letzte Chance auf ein paar schnelle Kilometer also.
Knapp 140 Teilnehmer, angenehme 20 Grad und eine Strecke, die ich von vielen Traningskilometern mit verbundenen Augen laufen könnte – die Rahmenbedingungen konnten nicht viel besser sein. Meine Beine allerdings waren nach und trotz der guten Leistung vom letzten Sonntag logischerweise noch immer nicht auf Laktattoleranz und schnelle Schritte eingestellt. Angesichts dessen kann ich mit meiner gelaufenen Zeit von 39:20 Min noch halbwegs zufrieden sein. Zwar spiegelt das Ergebnis nicht annähernd meinen guten Leistungsstand in dieser Disziplin wieder, aber heute war hier einfach nicht mehr drin. Schaffte ich die 5-Kilometer-Marke noch in knapp unter 19 Minuten, war ich danach (mal wieder) komplett allein unterwegs und konnte somit einfach nicht die letzten Reserven aktivieren. Als die Verfolger bei der letzten Stadionrunde im Schlussspurt nochmals etwas näher kamen, reichte zum Glück mein Vorsprung aus um ohne nochmalige  Tempoerhöhung und ohne an die Grenzen zu gehen sicher auf Rang 7 ins Ziel zu laufen.

Misson erfüllt, das Ergebnis liegt im Rahmen meiner Erwartung, auch wenn der Einbruch in der zweiten Hälfte für meinen Geschmack zu heftig ausfällt (KM 5 bis 10 in 20:25 Min). War ich in der erste Hälfte noch recht flott unterwegs, vielleicht zu flott, lief es hinten raus letzte Woche sehr viel besser. Ursache unklar, aber eigentlich auch piepegal. Insbesondere für den anstehenden Marathonlauf nach 7 Stunden lockerer Vorbelastung. Immerhin, am Ende reichte die Zeit noch immer für Platz 7 in der Gesamtwertung und einen dritten Rang in der AK M35. Die AK hatte ich im Vorjahr noch gewonnen … :(

Highlight des Tages war aber dann der Auftritt von Babsi im selben Rennen. Schon in Lohof waren wir gemeinsam am Start und heute schaffte sie es mit einer guten 46er Zeit auf Platz 2 in der Gesamtwertung der Frauen. Zwar machen wir regelmäßig gemeinsame Touren auf dem Rad, mal einen kurzen Lauf oder sitzen wie gestern Abend nebeneinander dem Spinningrad, von spezifischen Lauftraining kann man hier sicher nicht sprechen. Angesichts des Rückstandes von nur einer Minute auf die Siegerin der Spruch zum Tage: “Wenn ich mich auch mal angestrengt hätte, dann wäre das sicher nicht passiert”.
Kein weiterer Kommentar nötig, aber eigentlich sollte da einem angst und bange werden. Insbesondere, da ich weiß, dass die Schnelle auf dem Rad noch deutlich besser dabei ist. Uiuiui …

Karlsfelder Wasserfestspiele mit Bestzeit

Gepostet am 18. September 2011

Generalprobe für Kona geglückt, auch teilweise heftiger Dauerregen und knöcheltiefe Pfützen konnten mich heute nicht abschrecken, mit 1:24:57 Std lief ich heute beim Seelauf in Karlsfeld eine neue persönliche Bestzeit über die Halbmarathon-Distanz.  Heute Morgen hätte ich, ehrlich gesagt, absolut nicht damit gerechnet, doch dass es trotz meiner aufgrund Trainingspriorität alles andere als optimalen Vorbereitung dennoch geklappt hat freut mich nun natürlich um so mehr und zeigt, dass ich auf einem wirklich gutem Weg bin. Dafür bin ich jetzt auch ordentlich platt.

Nachdem ich letzte Woche aus Gewissensgründen dann doch nicht beim Isarlauf in Bad Tölz starten konnte, 34 bzw. 29 Euro Startgeld empfand ich als Unverschämtheit, wollte ich 11 Tage vor unserem Abflug nach Hawaii doch noch mal die Form testen beim Halbmarathon in Karlsfeld. Schonung oder ordentliche Vorbereitung waren auch diese Woche wieder Fremdworte, Mittwoch bis Freitag hatte ich noch einen Laufblock eingelegt und der gestrigen super sonnige Samstag wurde nochmals für eine ausgiebige Radrunde genutzt mit dem Schwerpunkt auf Aero-Position, sprich es dort relativ flott zur Sache, nach etwas dreieinhalb Stunden lag der Schritt noch bei etwas über 34 km/h. Zwar konnte ich mit einer ordentlichen Pizza Marke Eigenbau gestern Abend wieder die Speicher auffüllen, doch als heute Morgen um kurz nach 7 Uhr der Wecker klingelte spürte ich schon gleich auf dem Weg zur Küche, dass ich in den Tagen vorher “gut was getan” hatte. In 10 Minuten wurden schnell noch eine Butter-Breze und zwei Toastbrote verdrückt, dann ging es auch gleich raus nach Karlsfeld, wo ich nur noch meine Startnummer abholte, eine kurze 10-minütige Einlaufrunde drehte und versuchte durch ein ordentliches Drehprogramm die Müdigkeit aus den Beinen zu vertreiben.

Hatte es bis 9 Uhr nur eher leicht geregnet ging es pünktlich zum Start des Rennens so richtig los. Nachdem die Vorhersage ja auch entsprechend war, trat ich, obwohl ich das bei Laufwettkämpfen normalerweise nicht so mache, im Triathlon-Outfit an, mit der Hoffnung, dass die Klamotten nicht ganz so viel Wasser aufnehmen sollten. Letztlich eine ganz gute Idee, die ich da hatte, dass allerdings nach bereits 15 Minuten die Teile der Laufstrecke ordentlich unter Wasser standen hatte ich irgendwie nicht auf der Rechnung, so dass letztlich aus den eigentlich leichtgewichtigen Schuhen und Socken dann doch noch klobig vollgesogene Wassertreter wurden mit dem Resultat zweier schöner Blasen an beiden Fußsohlen.
Rasch aber doch noch zum Rennverlauf, der an sich absolut unspektakulär verlief. Zügig, aber nicht zu schnell angehen und dieses Tempo so weit wie möglich halten, das war die Taktik. Und genau dies konnte ich so auch zum ersten Mal voll umsetzen, sehr erfreulich.
Tempotraining, Intervalle, Sprints, das alle habe ich nach meinen zwei Sprint-Rennen im Mai komplett aus meinem Plan gestrichen. Wozu auch? Um ein Ironman-Rennen zu überstehen, noch dazu auf Hawaii, fokussiere ich seit Juni nur noch auf mein “Hauptproblem”: Ausdauer. Schnell geht daher nicht (mehr) und entsprechend ließ ich es ungewöhnlich langsam angehen. Schon der erste Kilometer war mit 3:50 Min eher gemächlich und die weiteren Kilometermarken fielen dann sehr regelmäßig mit einem fast konstanten Tempo knapp unter 4 Min/km. Meinen Garmin hatte ich diesmal zu Hause gelassen (nur Ablenkung), doch die Markierung der Strecke war durchgängig und sehr exakt und so war ich absolut happy, dass nach 39:54 Min die 10-Kilometer-Marke fiel ohne dass ich dabei das Gefühl hatte zu überziehen. Ein bisschen schnell ging also doch noch, Position zu dem Zweitpunkt circa Platz 18 bis 20. Wie schon erwähnt, besonders frisch fühlte ich mich vor dem Rennen nicht, und so warte ich ab dieser Marke eigentlich nur noch, wann ich denn wie vor zwei Jahren bei meinem letzten Versuch dort (im Rahmen der Vorbereitung auf Clearwater) nun deutlich langsamer werden würde. Gemeinsam mit einem Mitstreiter, der glücklicherweise fast exakt meinen Rhythmus mitlief, konnten wir trotz ordentlichem Geplätscher (pfatsch pfatsch pfatsch und das bei jedem Schritt) und dann noch aufkommendem Wind das angeschlagene Tempo weitgehend halten. Kilometer 15 passierten wir bei 1:00:16 Std, bei Kilometer 18 guckte ich zum letzten Mal auf die Uhr: 1:12:28 Std – damit hätte ich wahrlich nicht gerechnet. Als dann auch noch der ab circa KM 8 durchgehend rund 100 Meter vor uns laufende Kerl langsam näher kam, witterte ich noch die Chance einen Platz gut zu machen und versuchte nochmals etwas zu beschleunigen, was irgendwie aber nicht mehr so recht drin war. Immerhin, bis auf knapp 30 Meter kam ich an den Kerl noch heran, ehe es dann schon zur finalen Runde ins Karlsfelder Stadion ging. Gefühlt konnte ich auf den letzten 300 Metern noch etwas zulegen, doch auf einen Schlussspurt verzichtete ich aus Vernunftgründen und sah erst im Ziel, dass ich letztlich tatsächlich die Marke von 1:25 Std unterboten hatte. Exakt 1:24:57 Std standen auf meiner Stoppuhr, eine durchaus passable Zeit bei den Bedingungen und zugleich für mich eine Verbesserung der persönlichen Bestzeit um 48 Sekunden. Tolle Show und eine Zeit, die ich so vor dem Rennen niemals erwartet hätte.

Fazit: Absolut durchwegs positiv. Zwar müsste ich mit meinen nun schon seit fast 10 Wochen deutlich gesteigerten und äußert konsequenten Laufumfängen eigentlich auch in der Lage schneller zu laufen, dazu hätte ich aber das schneller laufen auch mal trainieren müssen. Wie erwähnt, ich hab’s bewusst nicht getan mit dem Plan über erhöhte Umfänge so etwas wie eine “Standard-Normal-Tempo-Gewöhnung” zu erlangen, die ich dann so auch am 8. Oktober mit 7 Rennstunden in den Knochen einigermaßen abrufen kann. Entsprechend hätte ich heute auf eine Zeit von ca 1:26 Std gehofft, erwartet hatte ich durch Regen, Wind und Müdigkeit eher etwas um die 1:28. Dass es jetzt dennoch mit einer neuen PB geklappt hat stimmt mich daher absolut positiv und zeigt, dass der Trainingsfortschritt tatsächlich auch qualitativ genutzt werden kann und ich in Sachen Ausdauer mich deutlich verbessern konnte. Viele Halbmarathons bin ich bisher noch nicht gelaufen, die meisten sogar im Rahmen von Triathlon-Rennen, aber derart konstantes Durchlaufen ohne größeren Einbruch war bislang noch nie drin. Wenn ich es jetzt noch schaffe meine aufgebauten Lauffähigkeiten (logischerweise deutlich gebremst, aber zumindest einigermaßen konstant) bis Kilometer 25 auf dem ins Energy Lab abzurufen, dann werde ich die letzten 17 Kilometer dort auch noch irgendwie rumkriegen. So zumindest mein Plan, der dort eine Laufzeit von circa 4 Stunden vorsieht. Auch wenn dies sicherlich nicht zu vergleichen sein wird, für diesen Plan gibt mir das heutige Rennen auf jeden Fall eine Portion Zuversicht. Werd’ scho’ wer’n!

Mist, jetzt muss ich mich doch ärgern

Gepostet am 15. August 2011

Als ich mich irgendwann im Februar oder März für Regensburg anmeldete, plante ich eigentlich diesen Wettkampf als letztes Saisonhighlight zu setzen um nach Transalp und Maratona noch ein lohnenswertes Ziel vor den Augen zu haben, wo ich dann auch im Wasser und in den Laufschuhen nochmals nochmals ran dürfte. Im Grunde genommen eine tolle Idee, doch unter den seit Ende April geänderten Vorzeichen und meiner ausschließlich auf den 8. Oktober ausgelegten Trainingsplanung, die für schnelle Sachen eigentlich gar nichts mehr übrig hat, passte mein Auftritt beim gestrigen Triathlon in Regensburg nicht mehr so recht in den Plan. Kurze heftige Belastungen und Tempo-Training sind wahrscheinlich das letzte was ich brauche um auf Big Island nach, sagen wir einmal, 11 Stunden ins Ziel zu kommen, mir fehlt es eher noch etwas an der Ausdauer für solche ganz langen Sachen.

Hätte ich mich nicht schon längst dort angemeldet, wäre ich also nicht wirklich auf Idee gekommen das “kostbare” verlängerte Trainingswochenende für einen schnöden Kurzdistanz-Wettkampf zu “opfern”. Okay, ganz so schlimm war es dann doch nicht, denn tolles Wetter und ein hervorragend organisiertes Rennen mit anspruchsvoller Streckenführung rechtfertigten im Nachhinein auf jeden Fall die Teilnahme am 14. Regensburger Triathlon zu 100 Prozent. Das einzige Manko am gestrigen Tage war letztlich meine leider alles andere als ernsthafte Vorbereitung auf das Rennen. Einziges Ziel im Oktober, das heißt keinerlei Rücksicht auf Sonntag, und so steckten  zwei Trainingseinheiten vom Donnerstag, eine richtig harte Koppeleinheit vom Freitag und 112 wellige Kilometer auf dem Rad am Samstag in meinen Beinen. Samstag Abend nach der Sportschau war ich somit verständlicherweise bereits ganz schön platt und noch dazu wurde es, nachdem endlich mal das Wetter passte, beim Biergartenbesuch doch etwas später. Ideale Vorbereitung sieht anders aus, aber egal, dachte ich mir, bei dem starken und großen Teilnehmerfeld hatte ich mir sowieso nichts auszurechnen und so sparte ich auch noch die ca. 30 Minute ein, die ich vor Wettkämpfen immer investiere um mein Rad wettkampfbereit zu machen. Zwar war es vom letzten Wochenende noch halbwegs sauber und gepflegt, doch die schnellen und vor allem leichten Laufräder mit guter Bereifung wurden erst gar nicht moniert, Werkzeug, Pumpe und alle Flaschenhalter blieben dran und auch die Kette hätte man sicher auch mal wieder ölen können. Logisch, dass dann auch Aerohelm und schneller Einteiler folglich auch im Schrank blieben, auf die paar Sekündchen sollte es ja nicht ankommen, ich wollte einfach nur einen richtig harten Trainingstag unter Wettkampfbedingungen absolvieren und schauen wo ich damit am Ende rauskommen würde.

Als um 6.20 Uhr schließlich der Wecker klingelte dachte ich erst an einen schlechten Scherz. Erst dann realisierte ich, dass es Zeit war sich aufzumachen in Richtung Oberpfalz. Schnelles Frühstück, ab ins Auto und aufgrund leerer Strassen war ich auch schon um 8.15 Uhr am Wettkampfort. Bis zum Start konnte ich noch ein paar bekannte Gesichter begrüßen, alles vorbereiten ausgiebig trinken und mich dann auf zum Donaukanal zu machen. Beim Anlegen meiner Neopren-Montur, die Wassertemperatur war mit 18 Grad angegeben, riss ich mir passend zu den restlichen unvorteilhaften Umständen dann noch einen ordentliches 10 Zentimeter langes Loch im Hüftbereich in den Neoprenanzug, ehe nach kurzem Einschwimmen zur virtuellen Startlinie um 10.15 Uhr endlich der Startschuss fiel. Mein Neo hatte sich bis dahin schon ordentlich mit Wasser aufgeplustert.
Obwohl der Kanal  relativ breit war und es einfach nur gerade aus bis zu Wendeboje ging wurde die erst Hälfte des Schwimmens zur relativ unruhigen Prügelei und es war schwer in so etwas wie einen Rhythmus zu kommen. Erst auf dem Rückweg zum Ausstieg wurde es etwas sortierter, so sortiert sogar, dass ich ganz ohne Wasserschatten “alleine im Wind” schwimmen musste. Ich hatte kein so rechtes Gefühl wie ich im Feld liegen würde, aber mit meiner Zeit von 23:46 Min kann ich letztlich mehr als gut leben. Ich brauche einfach die harte Auseinandersetzung beim Schwimmen um auf  Touren zu kommen, wie es scheint. Schaut man im Quervergleich mal auf die Zeiten scheint die Schwimmstrecke zum einen halbwegs korrekt vermessen gewesen zu sein, zum anderen bin ich mit dem Rückstand auf die erreichbare Konkurrenz für meine Verhältnisse noch ganz gut dabei und auch mit Platz 71 von knapp 300 Herren kann ich ebenfalls gut leben. Ganz zu schweigen davon, dass für 2011 nach Rapperswil und Kulmbach überhaupt erst das dritte Mal war, dass ich meinen Neoprenanzug anhatte.
Nach relativ langsamen Wechsel, zur Sicherung meiner Füße, die in den kommenden Wochen noch für den ein oder anderen Trainingslauf gebraucht werden, zog ich mir noch schön ordentlich ein paar Socken an, ging es über die Oberpfalz-Brücke auf die Radstrecke, wo der ich nur wusste, dass sie wellig sein würde mit einem steilen aber kurzen Anstieg gleich zu Beginn. Das Höhenprofil habe ich leider erst jetzt im nachhinein auf der Seite entdecken können und ich weiß auch nicht, was die passendere Bezeichnung gewesen wäre, aber als wellig würde ich die Strecke nicht wirklich bezeichnen. Erst ging es circa sechs Kilometer in drei Stufen bergauf, so dass ich mich fast schon an die Alpen erinnert fühlte, dann erst kamen die so genannten Wellen. Bis Kilometer 25 gab es meiner Erinnerung nach kein wirkliches Flachstück zu absolvieren,mehrmals ging es also mit viel Kraft und im relativ hohen Gang im Wiegetritt bergan, dann folgten wieder flotte Abfahrten mit Tempo 60+. Eine wirklich anspruchsvolle Strecke, auf der es sicher eines nicht wurde: langweilig. Erst auf dem Weg zurück nach Regensburg wurde es weitgehend flach dort machte sich dann aber der aufkommende Gegenwind aus südlicher Richtung bremsend bemerkbar. Trotz meiner alles andere als frischen Beine, die sich schon nach 15 Minuten so anfühlten wie normalerweise nach zwei Stunden, kam mir so eine Strecke entgegen. Insbesondere bergauf konnte ich rasch Platz um Platz gut machen, wurde dabei nur von einem Konkurrenten überholt, den ich zwar bergauf noch zweimal rücküberholen konnte, der aber hinten raus mit vollem Aero-Equipment in den schnellen und flachen Passagen immer wieder größere Lücken rausfahren konnte und schließlich außer Reichweite davon fuhr. 36 Plätze konnte ich in meiner derzeit sicher besten Disziplin gut machen und mich somit bis auf Platz 35 nach dem Rad vorarbeiten. Es lief also ganz gut und zieht man die beiden in die Radzeit eingerechneten Wechsel ab, brauchte ich für die Radstrecke selbst gestoppte 1:00:15 Std, wobei hier fairerweise erwähnt werden muss, dass mein Tacho am Ende 37,5 Kilometer anzeigte. Auch wenn es damit keine vollen 40 Kilometer waren, Teilplatzierung 27 (inkl. lahmer Wechsel) und ein mit 37 Sachen noch immer ordentlicher Schnitt sind der Umstände entsprechend ganz passabel, wie ich denke.

Besonders geschont hatte ich mich auf der Radstrecke nicht gerade, vor daher war mir von Beginn an klar, dass der Lauf zum Überraschungsei werden sollte. Dass ich die 10 Kilometer unter 40 Minuten laufen könnte, sonst eigentlich mein normales Kurzdistanz-Triathlon-Lauftempo, hielt ich für ausgeschlossen. Woher sollte es auch kommen, richtig schnell gelaufen bin ich seit Ende Mai in Waging nicht mehr (B2RUN zählt nicht)? So ging ich also im gefühlten “So-gerade-noch-flott”-Tempo auf die zum Teil doch sehr off-roadige Laufstrecke entlang von Donau und Kanal. Durch eine kleine Umleitung am Dultfestplatz wurde schon angekündigt, dass die Strecke wohl etwas länger sein sollte als 10 Kilometer und schaut man am Ende wieder auf die Laufzeiten der Top-Leute (Sieger Dreitz lief in Erding auf exakter Strecke eine flache 34, der Zweitplatzierte Neef läuft tendenziell sogar noch schneller), dann tippe ich sogar auf knapp über 11 Kilometer, was am Ende meine 45er-Laufzeit wieder positiv relativieren würde. Ich fühlte mich zwar nicht so schnell wie sonst, aber dennoch lief es nicht schlecht (was auch an den Überrundungen liegt) und zum Ende hin wurde es wie immer schwer den Schritt beizubehalten. Nachdem ich über die vier Runden erst ganz zum Ende von Runde 3 überrundet wurde war ich absolut zufrieden mit meiner Leistung und da störte es auch nur wenig, dass ich auf den letzten 500 Metern noch zwei Mann an mir vorbei ziehen lassen musste. Auf einen Schlussspurt, mit dem ich mich dann richtig abschießen würde, hatte ich einfach keinen Bock mehr zumal die beiden Kerle nicht nach meiner AK aussahen ;)  In der Gesamtwertung konnte ich auf der Laufstrecke trotzdem noch vier Plätze gut machen und damit die 31-ste Laufzeit erzielen (mal wieder exakt wie Gesamtplatzierung, das kenne ich schon), da wäre sicher noch viel Spiel nach oben gewesen.

Nachdem die offizielle Ergebnisliste gestern Abend noch korrigiert wurde (beim Aushang nach Zielschluss wurde ich noch auf Platz 4 in der AK geführt) schaffte ich es heuer zum dritten Mal (beim dritten Start über die Nicht-Mitteldistanz) um wenige Sekunden am Podestplatz vorbeizuschrammen. Wäre ich hier mit “richtigen” Ambitionen (passende Vorbereitung, ausgeruhter Zustand, bestes Material) gestartet, wäre ich mit einer Zielsetzung Top-3 bis Top-5 ins Rennen gegangen, die ich jetzt auch “so” erreicht habe. Am Ende steht mit Platz 31 in der Geamtwertung und einer 2:12 Std eine für diesen Kurs sehr ordentliche Endzeit und so ärgere ich mich nun ein bißchen, dass ich diesen Wettkampf nicht so richtig ernst genommen habe. Klar, es ist immer müßig festzulegen wie viel Zeit unter besseren Vorbedingungen drin gewesen wäre, da hätten schon viele Leute viele Renen gewinnen können, aber die 90 fehlenden Sekunden auf die Top-20 und AK-Rang Platz 3 (in der AK-Wertung) wären allein schon mit Wechsel, ordentlichem Material und Endbeschleunigung drin gewesen, dazu hätte ich mich im Prinzip gar nicht mehr anstrengen müssen. Auf AK-Rang 2 (gesamt Platz 15) liegt genau der eine Kollege, der mich am Rad letztlich hat stehen lassen, und den ich niemals hätte vorbei lassen dürfen, so dass ich hier denke, dass ich zumindest sehr nah hätte dran sein können zumal auch die Laufzeit normalerweise machbar hätte sein müssen.
Jaja, wennhätteundaber … So entspannt wie ich in das Rennen gegangen bin, so sehr ärgert es dann mich doch, dass ich diesen tollen Wettkampf (gute Orga, anspruchsvolle Strecken, schöner zentraler Zielbereich, zahlreiche Zuschauer), dereigentlich mal als Highlight geplant war, letztlich selbst verschuldet “verpatzt” habe. Nach meinem Sieg in Kelheim 2010 hätte das ergebnismäßig hätte ein weiteres Highlight in der Oberpfalz werden können, doch so bleibt mir am Tag danach nur positiv mitzunehmen, dass die Formkurve für Hawaii auf jeden Fall in die richtige Richtung zeigt, denn mit so einer Leistung hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Vor allem aber gilt für mich, dass ich ganz bestimmt irgendwann noch mal dabei sein muss bei diesem Rennen. Dann aber zu 100 Prozent und richtig vorbereit, versprochen, denn dann will und werde ich auf dem (AK-)Podest stehen. Und zwar bevor ich in der AK M60 ran darf!

Cross und quer – Intervalle und Koordination auf die etwas andere Art

Gepostet am 22. Juli 2011

Mannmannmann, was war den das gestern Abend im Olympiapark? Nach meinem Boykott vom Vorjehr ließ ich mich heute wieder breit schlagen und ging gestern Abend beim Münchner Firmenlauf B2RUN für meinen Arbeitgeber an den Start. Richtig Spaß habtte ich bei dieser Veranstaltung noch nie, aber was tut man nicht alles für seinen Brötchengeber, zumal ein bißchen sommerlicher Abendsport immer mal ganz gut tun kann. Immerhin, es blieb diesmal trocken bei diesem Massenerlebnis und außer mir waren noch rund 30.000 weitere Läufer Leute am Start. Rein aus sportlicher Sicht wurde es für mich ein mehr als ungewöhnlicher  Abend.

Startbereich – Menschen ohne Ende, und das ist nur das vorderste Viertel !!

Nach Transalp, Maratona und einer anschließenden Ruhepause schnalle ich am letzten Sonntag zum ersten Mal seit dem 23. Juni wieder meine Laufschuhe an. Kein Klettverschluss, keine Pedalcleats, keine harte Carbonsohle – schon etwas ungewöhnlich. Von Vorbereitung würde ich daher gar nicht reden, die 6,1 Kilometer (offiziell angegeben und auf der Idealline wohl auch korrekt) musste ich also aus meiner Mai/Juni-Grundlage heraus bestreiten, natürlich noch immer mit dem Ziel möglichst schnell zu laufen.
Soweit also der Plan, die Realität sah dann leider doch etwas anders aus. Um schnell zu laufen braucht man auf jeden Fall zwei Dinge: schnelle Mitläufer und halbwegs freie Bahn. Mein Plan war es eigentlich in der Startaufstellung zumindest einigermaßen weit nach vorne zu kommen um die große Anzahl der wirklich langsamer Läufer einigermaßen rasch umschiffen zu können. Auf dem Weg zum Olypiagelände blieb allerdings leider meine U-Bahn im Schachte stecken, was mir einen Zeitverlust von knapp einer Stunde einbrachte. Somit schaffte ich es gerade noch meine Sachen abzugeben und musste dann, fünf Minuten vor dem Startschuss, feststellen, dass mich zwar noch seitlich ein gutes Stück nach vorne kämpfen konnte, dann aber irgendwann absolut kein Durchkommen nach vorne mehr war. Immerhin, ich konnte den Startbogen schon sehen, doch letztendlich erreichte ich die Startline dann doch erst fast 26 Minuten nach den Spitzenläufern, die zu diesem Zeitpunkt logischerweise schon im Ziel waren.

Der Lauf an sich war dann kein Lauf im eigentlichen Sinne mehr. Die Strecke war schlicht so voll mit Menschen, dass zum großen Teil kein wirklich schnelles Laufen möglich war. Zickzack laufen, abstoppen, wieder losrennen, immer auf der Suche nach den kleinen Lücken und wo möglich versuchte ich abseits der asphaltierten Strecke wild durch die Büsche zu springen. Ein wirklich tolles Intervall- und Koordinationstraining, aber halt eben kein wirklicher Laufwettkampf. Von der Belastung her war es zwar recht intensiv und durch die ständigen Tempowechsel vor allem kräfteraubend und so kam ich am Ende genau auf ein 4er-Tempo. Gewollt hätte ich, gekonnt wohl auch, aber es ging halt beim besten Willen nicht schneller voran und entsprechend zappelig sieht meine GPS-Aufzeichnung des Tempoverlaufs aus, von 3:30 bis zum Fast-Stillstand war fast alles dabei.

Leider ist die Streckenaufzeichnung nicht detailliert genug um das Zickzackgehoppel auf dem Streckenplan zu verfolgen. Sorry auch hier noch mal an den ein oder anderen Teilnehmer, den ich nicht ganz ohne Körperkontakt passieren konnte. Keine Absicht, aber mit ein wenig sportlichem Ehrgeiz ging es an manchen Stellen nicht anders, andererseits werde ich nie verstehen, warum sich Leute vorne reinstellen, die bereits nach 1,5 Kilometer im Wandermodus unterwegs sind.

Angesichts der Möglichkeiten kann ich mit der Leistung durchaus zufrieden sein, das reine Ergebnis ist aber dennoch im Quervergleich eher schwach. War ich 2009 noch fast an Platz 1oo dran und in der siemensinternen Wertung auf Platz 3, waren gestern unfassbare 17 Siemensianer schneller als ich über die Ziellinie (2009 waren es gerade mal ZWEI). So reichten meine 24:39 Min letztendlich gerade mal zu zu Platz 456 (für die per GPS ermittelte 6,22 km) und somit fehlten dann letztlich knappe zwei Minuten auf so etwas wie meine “Normalleistung”. Immerhin, mit meiner Bruttozeit von über 50 Minuten liege ich auf jeden Fall noch ganz passabel im Rennen, ich konnte bislang nur drei Läufer ausmachen, die ähnlich spät wie ich gestartet sind und am Ende unter 25 Minuten blieben. Wahre Rüpel Überlebenskünstler Cross-Runner eben.

Rocking Maratona

Gepostet am 16. Juli 2011

Der Bericht zur bereits sooo lange vergangenen Transalp ist noch nicht online, da schiebe ich rasch mal das nächste Highlight dazwischen. Am Sonntag stand ich zum ersten Mal am Start des legendären Maratona dles Dolomites. Das aufgrund der sagenhafen der Kulisse der Dolomiten wahrscheinlich beeindruckendste Radrennen der Alpen, ging heuer mit der Rekordzahl von knapp über 9.100 Startern in der 25. Auflage über die Bühne und Babsi und ich waren erstmals dabei. Und um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: ein Riesenerlebnis, das sicherlich nach Wiederholung schreit.

Über meine Sportkameraden vom SC Königsbrunn wurde bereits im November vorigen Jahres der Kontakt zum Radteam Aichach hergestellt, die als Sieger der Mannschaftswertung über die letzten Jahre ein großes Kontingent an Startplätzen (im Block B) zur Verfügung haben und die uns nach ein paar Wochen auf der Warteliste erfreulicherweise unter Ihrer Flagge fahren ließen. Wenn schon mal beim Rennen dabei wollten wir beide das Wochenende für einen schönen Trip ins sonnige Südtirol nutzen und so machen wir uns bereits am Donnerstag Abend, also noch vor dem großen Verkehr zum Ferienbeginn, auf nach St. Kassian ins absolut empfehlenswerte Garni Villa Flora (nette Gastgeber, tolles Frühstück, große Zimmer, gute Lage).
Noch am Mittwoch vor dem Rennen,  war ich alles andere als zuversichtlich hinsichtlich einer Teilnahme am Maratona. Nach meiner Rückkehr aus Arco begann es am Montag Morgen mit leichtem Halskratzen und entwickelte sich bis Mittwoch Abend zur ausgewachsenen Erkältung mit Husten, Schnupfen, Stimmenverlust und spürbarer Ermattung. Die notwendigen 11-Stunden-Tage im Büro machten das Wohlbefinden logischerweise auch nicht leichter, “richtig krank” zu sein war aber auch kein Option (wer kennt das nicht). Ein Zusammenhang zu den Strapazen der Transalp-Woche würde ich dabei nicht ganz ausschließen, besonders belebend für das Immunsystem war die harte Woche sicherlich nicht, ob es aber wirklich daran gelegen hat bleibt Spekulation. Immerhin ab Donnerstag Morgen fühlte ich, dass es gesundheitlich wieder bergauf gehen würde und ich war zumindest vorsichtig optimistisch, dass ich am Sonntag wieder einigermaßen auf dem Damm sein würde.

Wunderbares Bergpanorama - (aus Dolomiten 2011)

Bei gutem (Freitag) und schönstem (Samstag) Dolomiten-Sommer-Wetter nutzten Babsi und ich die beiden Tagen zur Erkundung der Umgebung mit dem Rad und in Wanderstiefeln. “Lockere” 2.700 Höhenmeter verteilt auf gut 76 Kilometer steckten uns am Freitag Nachmittag in den Beinen, nachdem wir quasi zum “einrollen” von St. Kassian aus eine herrliche Runde über die PässeValparola, Giau und Falzarego relativ gemächlich abradelten. Gut zu wissen was am Sonntag auf uns warten sollte und so waren es am Samstag dann “nur” etwa 800 Höhenmeter, die wir im Rahmen einer gemütlichen und super-sonnigen Panoramawanderung zum Piz Sorega absolvierten. Zwar fühlte ich mich mittlerweile schon deutlich fitter, die letzten Reste vom Gehuste und Geschniefe wollten sich aber noch nicht ganz kampflos in Luft auflösen und so endschied ich für mich schon am Samstag Nachmittag bei derStartnummernabholung des Teams in Colfosco, dass ich mich am Sonntag nicht der langen Maratona-Strecke über 138 km/4190 Hm sondern “nur” dermittleren Strecke über sechs Pässe und 106 km/3090Hm stellen würde. DieStreckenwahl kann man ja glücklicherweise im Rennen treffen, doch mit dem schweren Anstieg zum Passo Giau hinten raus macht es nur bedingt Sinn mit nur 90 Prozent im Tank an Start zu gehen, schließlich wollte ich ja voll auf Angriff (und gegen Mannis Vereinsrekord von 5:45 Std fahren) und muss man es je nicht unbedingt übertreiben … ;)

Wie immer bei solchen Veranstaltungen, viel zu früh am Morgen geht es los. Als wir uns gegen dreiviertel sechs auf machten Richtung Startaufstellung mussten wir feststellen, dass die Mehrzahl der 9.100 Teilnehmer schon etwas früher die guten Startplätze belegten. Immerhin, im hinteren Drittel des B-Blocks konnten wir uns aufgrund der Teamzugehörigkeit einreihen und noch eine gute halbe Stunde in der morgendlichen Kühle (ca. 11 Grad) etwas der Maratona-Luft schnuppern. Definitiv eine tolle Atmosphäre!
Pünktlich um 6.30 Uhr fiel irgendwo weit vorne der Startschuss und nach einigen Minuten setzte sich auch unser Tross in Bewegung, so dass es letztlich über fünf Minuten dauerte bis wir gemeinsam über die Startlinie rollen sollten. Ging es bei der Transalp fast immer von den ersten Metern sehr flott zur Sache muss ich mich hier erst mal etwas in Richtung “Normalmaß umgewöhnen”. Bis KM 9,7 also an der Passhöhe des Campolongo kam ich mir vor wie in Zeitlupe. Zwar war die Straße bis Corvara und auch den Pass hinauf nicht gerade schmal, dennoch war es sehr schwierig bei der Menge an Leuten flott voran zu kommen. Wo kommen die ganzen Schleicher her, so meine Gedanken, denn schließlich wähnte ich mich aufgrund der vorderen Startgruppe im Feld der ambitionierten Fahrer mit ordentlich Druck in den Beinen, die rund 800 Frauen, die ebenfalss vorne starten durften, waren auf jeden Fall nicht das Problem.  Auf der Suche nach passenden Lücken konnte ich daher immer nur kurz beschleunigen, die meiste Zeit dümpelte ich aber gefühlt im Trainingstempo vor mich hin, erst auf der Mini-Abfahrt (-274 Hm) hinunter nach Arabba ging es erstmals flott zur Sache.
Die nächsten drei Pässe der klassischen Sellaronda sind rasch erzählt. Unten angekommen in Arabba ging es sofort hinein in den Anstieg zum Pordoijoch, der sich wunderschön mit vielen Serpentinen, mit gemäßigter Steigung und in der Morgensonne liegend hinaufwindet auf 2.239 Meter. Ab hier hatte sich das Feld endlich soweit sortiert, dass ich in meinem Tempo hochfahren konnte und mit Staunen feststellen musste wie viele Fahrer es noch zu überholen galt. Wie kommen die nur so weit nach vorne, ärgerte ich mich, denn die Tempounterschiede waren teilweise schon ernorm. Oben am Pordoi angekommen (wo es übrigens eine hammergeile Skiabfahrt durch die Pordoi-Scharte gibt) wurden nur kurz die Ärmlinge hochgezogen dann ging es schon wieder runter in die schattige und daher sehr frische West-Abfahrt Richtung Canazei. Noch vor der Ortschaft wartete aber bei KM 29,3 schon der Anstieg hinauf zum Sellajoch, der mich mit einigen steileren Stellen (12% in der Spitze) durchaus überraschte und daher die ersten spürbaren Körner kostete. Wieder ging es hoch auf über 2.240 Meter und natürlich gleich wieder hinab, diesmal in Richtung Wolkenstein, doch den Ort bekommt man nicht zu sehen, denn natürlich geht es auch hier gleich wieder hinauf, diesmal hinauf zum Grödnerjoch (2.121 m), wo in der Mitte des Anstiegs, quasi zum Beschleunigen noch ein circa 2 Kilometer langes Flachstück zu überwinden war. Zum letzten Mal passierte ich hier eine größere Gruppe, die ich erst im  Windschatten hinter mit herzog, dann im Anstieg aber schon nach wenigen Metern stehen lassen konnte. Ab der Passhöhe Grödnerjoch, war das Feld nun weitgehend “entschlackt”, ab jetzt war es endlich ein Rennen zwischen halbwegs gleichstarken Fahrern.

In zügiger Abfahrt - (aus Dolomiten Marathon 2011)

Von einigen Rücküberholern in den zwei vorangegangenen Abfahrten abgesehen (irre, wie manche trotz noch immer relativ dichtem Feld in die Kurven knallen), hatte ich bislang nur Plätze gut machen können. In der Abfahrt vom Grödnerjoch Richtung Ziel in Corvara wurde ich aber doch von dem ein oder anderen besseren Abfahrer überholt, wobei ich hier, wie auf der ganzen Transalp bewährt, nie das letzte Risiko ging, sondern stets versuchte zügig kontrolliert und sicher unten anzukommen.
Unten in Corvara angekommen hat man nun die Wahl und es gilt sich zu entscheiden. 2:17 Std (netto) zeigte mein Garmin-Radcomuter an und da ich mich abgesehen von einer durch den Fahrtwind begünstigt ständig laufenden Nase zu diesem Zeitpunkt noch sehr gut fühlte war die Entscheidung glasklar. Links halten, über die Zielline rollen und damit mit der klassischen Sellaronda-Strecke (55 km) das noch fatzenleere Ziel-Buffet zu stürmen? Keine Option. Also galt es auf Zug zu bleiben, rechts halten, die Zeitnahme zu überqueren und weil es vorhin so schön war gleich nochmals hinauf zum Passo Campolongo wo, wie ich erst im Ergebnis erfahren habe, eine Bergwertung ausgefahren wurde. Während ich unten am Fuße des Anstiegs, also mitten drin im Ortsbereich von Corvara, noch eine größere Gruppe von wie immer knallbunt gekleideten Italo-Ciclisti um mich, die alle angestachelt von den zahlreichen Zuschauern ein große Show liefern wollten und daher im Wiegetritt die ersten Meter hinaufknallten, sorgte ich erst mal für ordentliche Verpflegung für die zweite Rennhälfte. In relativ hohem Hang behielt meinen Tritt ganz gut und war überrascht also ich mich oben an bei der zweiten Durchfahrung der Passhöhe umdrehte. Ich war zum ersten Mal im Rennen relativ einsam unterwegs. Gut so, denn nach der abermaligen Abfahrt nach Arabba, wo es diesmal links weg durch das Fodom(-Tal), wobei davon etwa 8 Kilometer nahe als flach angesehen werden können. Das Verschnaufen lohnte sich, denn schon nach kurzer Zeit kam von hinten ein flotter 12er-Zug angerauscht, der bis zur Streckenteilung bei Andraz gut harmonierte und ordentlich Druck machte. Es wurde gekreiselt und ich fuhr auch ein paar Meter an der Spitze, aber hinten raus musste ich dann doch richtig beißen um an der Gruppe dranzubleiben. 75 Kilometer und ziemlich genau 3 Stunden Fahrzeit standen jetzt auf dem Tacho und noch fühlte ich mich ganz passabel. Kurz überlegte ich doch die paar Extra-Kilometer für die Maratona-Runde dranzuhängen, doch am Abzweigschild Richtung Cortina d’Ampezzo bog ich vernünftigerweise links ab. Aus meiner Gruppe folgte mir nur ein weiterer Fahrer, der Rest wollte sich am Passo Giau die Kante geben.

Quälerei am Valparola
Quälerei auf den letzten Metern des Valparola (aus Dolomiten 2011)

Fünf Berge waren nun absolviert als es nun in den “vermeintlichen” Schlussanstieg hinauf über Falzarego und die letzten “paar” Meter des Valparola ging. Gewöhnt an die längeren Strecken durch die Transalp und auch angesichts der Tatsache, dass ich mich a) gut verpflegt hatte und b) diesmal nicht meine letzten Körner schon auf dem Weg zum letzten Berg verschossen hatte, fuhr ich von Beginn an in ordentlichem Tempo in den schön konstanten Anstieg hinein. Vom Freitag kann ich den Pass und hatte daher das Gefühl die Lage gut einschätzen zu können, der Berg sollte mir gut liegen. Zwar schnaufte Renato ordentlich, lange aber konnte mein Mitfahrer nicht an meinem Hinterrad dranbleiben und nachdem nach vorne erst mal keiner zu sehen war galt ab jetzt nur noch Konzentration auf die eigene Leistung und stets hart dranbleiben. Unten strampelten die Beine im bewusst schweren Gang, oben begann ich nun zu rechnen: nie unter 15 km/h fallen, dann würde ich die knapp 800 Höhenmeter verteilt auf 11,8 Kilometer in etwa 45 Minuten schaffen. Als sich im oberen Teil des Passes die Bewaldung lichtete sah ich zum endlich ein paar vor mir liegende Fahrer. Bereits am Tunnel hatte ich ein paar davon überholte und war auf eine Sechs-Mann-und-eine-Frau-Gruppe aufgefahren. In den letzten drei Kehren bis zur Falzarego-Passhöhe hatte ich diese Truppe auch schon hinter mir gelassen, eher es nochmals links ab und kurz weiter hinauf zur Passhöhe des Valparola ging. Im Kopf war ich irgendwie schon oben und angesichts der Tatsache, dass man die Kuppe schon sieht und es ja eigentlich nur 1.000 Meter und 87 Höhenmeter sind, könnte man denken: ach, da schwing ich mich jetzt auch noch schnell drüber. Falsch gedacht. Vor mir keiner, die Fahrer hinter mir deutlich zurück und auf einmal zeigte der Garmin für die breite gut zu fahrenden Strasse mitten durch die wunderschöne Felslandschaft nur noch 9 km/h und dafür 12 Prozent bei den Steigungswerten. Ich musste wirklich das allerletzte aus mir herausholen um (gefühlt) überhaupt noch da oben anzukommen während mich zig Fotografen in meinem Leiden festhielten. Mann, war ich paniert.

Oben angekommen hatte ich meinen Rennen dann leider(!) schon beendet. Nur noch 20 Kilometer ins Ziel rollen, dachte ich mir und so ließ ich es auf der langen Abfahrt durch St. Kassian und bis zum Start in La Villa eher ruhiger angehen. Entsprechend überholten mich im unteren Teil der Abfahrt noch zwei Fahrer, die ich am Anstieg stehen gelassen hatte, aber in der relativ sicheren Gewissheit eine gute Zeit von unter 4:15 Std zu schaffen war mir das dann auch schon egal, was sich, wie sollte es auch anders sein, dann doch noch mal rächen sollte. Gingen am Morgen nach dem Start die 5 Kilometer von La Villa bis nach Corvara (zum Ziel) im Riesenpulk viel zu langsam und locker, musste ich nun noch doch noch lernen wie hart diese letzten Kilometer bei starkem Gegenwind und stetiger Steigung mit Spitzen von 5 bis 8 Prozent zu fahren sind. Als der Tacho in der gefühlten Ebene plötzlich nur noch 15 km/h (breite schöne Straße mit optisch so recht erkennbarer Steigung) anzeigte war ich kurz davor mein Rad in die Büsche zu schmeissen, und das bei gerade mal noch zweieinhalb Kilometer bis zur Zielline. Ich kämpfte zwar mit letzter Kraft und hatte erste Krampfansätze in den Waden, doch ich war mental einfach nicht mehr bereit, entsprechend ging auch nichts mehr vorwärts. Ein klarer Fehler von mir, da ich das Rennen schon fast abgehakt hatte, so dass ich nun auf einem Stück, das ich normalerweise mit guten 30 Sachen durchdrücken würde, mit mir kämpfen musste um nicht stehen zu bleiben. Das passiert mir sicher nicht mehr, eine wirklich erkenntnisreiche Lehre!

Auch wenn ich heute mit ein paar Tagen Abstand fast drüber lachen muss, natürlich schaffte ich die letzten paar Meter noch, aber ich war am Ende nicht mal richtig froh im Ziel zu sein, da ich mich immer noch über die letzten so fiesen Kilometer ärgerte. Zum Glück erwarte mich Babsi gleich nach der Ziellinie wo sie ja schon einige Zeit zum Warten, denn sie hatte ihre kleine Runde nach exakt 3 Stunden beendet und war danach überraschenderweise aber um so erfreulicher richtig enttäuscht, dass sie die Sache so locker hat angehen lassen. Statt Platz 21. bei den Frauen (von 262 Klassierten) wäre hier wohl locker eine Top-10-Platzierung drin gewesen, wenn sie sich denn mal wirklich angestrengt hätte.

Langer Text, der mich einiges an Zeit gekostet hat, zum Abschluss nun noch jede Menge nackter Zahlen:

Name Christian Ammer
Startnummer 2230
Land/Ort D-Taufkirchen
Kategorie 106km Uomini/Herren 35-39 anni
Durchgangszeiten auf der Strecke
Startzeit 6:35.27,5
Zielzeit 10:49.14,0
Fahrzeit 4:13.46,5
Durchschnitt 25,061 km/h
Rang Gesamt 69.
Rang Kategorie 18.
Stelle Fahrzeit Rang (Kategorie) Gesamt
Gardena 2:05.35,1 18. 79.
Corvara 2:17.48,9 19. 84.
Campolongo 2:38.41,8 18. 79.
Falzarego 3:39.40,1 16. 67.
Bergzeitfahren Corvara - Campolongo 6.4km, Höhenunterschied 353m
Fahrzeit 20.52,9
Durchschnitt 18,389 km/h
Rang Gesamt 63.
Rang Kategorie 15.

Positiv herauszuheben sind hier vor allem drei Dinge: 12 Plätze gut gemacht am Schlussanstieg und ein  guter Platz 63 bei der gestoppten Bergwertung der zweiten Durchfahrt hoch zum Campolongo (Steigrate von 1034 m/Std und daraus errechnete 289 Watt Durchschnittsleistung), den ich bei weitem nicht voll gefahren bin. Für den Schlussanstieg Falzarego/Valparola gibt es zwar keine offizielle Zeitnahme, aber mit meiner selbst verfolgten Zeit von etwa 45 Minuten komme ich für die 786 Höhenmeter und 11,9 Kilometer auf einen guten Schnitt von 15,8 km/h und eine Steigrate von 1048 Hm/Std, den Passo Giau wäre ich damit circa 50 bis 52 Minuten gefahren.

Am Ende steht nun ein wie ich finde sehr guter und vorher nicht erwarteter 69. Gesamtrang (von 2.722 Männern im Ziel) und eine mit Platz 18 (von 286 Klassierten) fast noch mehr herauszuhebende Leistung in der Alterklasse. Bei dem starken Starterfeld, für Italiener ist der Maratona DAS Highlight der Rennrad-Saison, in den Top-5-Prozent zu landen hätte ich mir vor dem Rennen sicher nicht zugetraut, wobei mir natürlich klar ist, dass die wirklich guten Jungs fast alle auf der langen Strecke unterwegs waren.
Auch wenn ein Vergleich immer schwierig ist, schaue ich links und rechts nach den gemeinsamen Durchangszeiten derjenigen, die bis zum Abzweig Falzarego gleichauf mit mir unterwegs waren, komme ich, jenachdem wie gut ich die tausend Extra-Höhenmeter auch noch in den Beinen gehabt hätte, auf eine “theoretische” Endzeit von 5:35 bis 5:50 Std, die letztlich für Rang 150 bis 350 gereicht hätte (von 4.340 Herren). Etwa 90 Minuten für 30 Zusatz-Kilometer und 1.000 Höhenmeter mehr wären sicherlich nicht unrealistisch und damit würde ich dann auch ziemlich genau in dem Bereich liegen den ich mir vorher im Idealfall zugetraut hätte. Das hätte am Ende dann auch auf der Maratona-Strecke (so in etwa) für die Top5-Prozent gereicht. Nicht schlecht, Herr Specht -die Radform stimmt also …

P.S. Auch multimedial ist diesmal noch recht viel Material vorhanden. In meinem Picasa-Album (Dolomiten 2011) findet Ihr Fotos des ganzen Wochenendes, zudem könnt Ihr ja auch mal schauen, ob Ihr mich auf den offiziellen Videos an den Durchfahrten findet. Viel Spaß und vor allem DANKE für die Lesekondition (wenn Ihr es tatsächlich bis hier geschafft habt durchzuhalten)!

Die Berge kommen

Gepostet am 23. Juni 2011

Guckt man auf mein Trainings-Logbuch der letzten Tage seit dem Rennen in Kulmbach findet sich dort erstaunliche Leere wieder. Gründe dafür gibt es einige. Zum einen war ich am Montag nach dem Rennen auch ordentlich bedient und brauchte in der Tat einige Tage Erholung um überhaupt wieder aktiv zu werden. Zudem spielte trotz theoretischem Sommeranfang das Wetter auch nicht so recht mit, so dass meine Motivation auf herbstlich-nassen Outdoor-Sport ebenfalls etwas gedämpft war. Komponete 3, die mal wieder richtig reinhaute: Arbeit. Ich hab mir mal wieder den Spaß gemacht grob meine Zeiten mitzuschreiben, für die Dank Feiertagen nur sieben Arbeitstage der letzten beiden Wochen komme ich auf erstaunlich-erschreckende 72 Arbeitsstunden und bis morgen Abend muss ich noch die ein oder andere Sache fertig machen bzw. auf den Weg bringen, es kommt also noch was dazu.
Summa summarum kam ich also über die letzten zwei Woche gerade mal auf zwei flotte Radeinheiten mit jeweils 60 Kilometern, kurzfristig eingestreute 4,5 Schimmkilometer und gute 20 Laufkilometer. Klassisches Off-Season-Programm also, aber dennoch durchaus nicht ganz ungewollt ;)

Wie bereits lange angekündigt, am Sonntag startet in Sonthofen die diesjährige TOUR-Transalp, ein siebentägiges Etappenrennen auf dem Rennrad über zahlreiche der schönsten und härtesten Passstrassen der österreichischen und italienischen Alpen. Bereits im Dezember angemeldet, galt meine Konzentration für 2011 bis zum 15. April fast ausschließlich diesem Event und entsprechend wurde auch das Trainingsjahr mit insgesamt drei fast reinen Rennrad-Wochen (Gran Canaria, Mallorca, Rimini) geplant. Das erste Ergebnis dieser guten Vorbereitung konnte ich bereits in Kulmbach einfahren und ging es mir in den letzten Tagen eigentlich nur noch darum “den Motor einigermaßen warm zu halten” und ausgeruht am Sonntag in Sonthofen an den Start zu gehen. Logisch, dass mich bei dem Schmalspur-Programm etwas das schlechte Gewissen plagt, aber letztlich denke ich ein ein paar Kilometer mehr in den letzten Tagen sicherlich nicht den entscheidenden Unterschied machen. Seit Januar dieses Jahres habe ich in Summe knapp 4.800 Kilometer und fast 50.000 Höhenmeter auf dem Rad eingefahren, dazu kommen noch circa 800 Fahrradkilometer Büroweg und einige Stunden harter Spinning-Sessions. Im Quervergleich zu “echten” Rennradlern mag das vergleichsweise wenig sein, für meine Ambitionen ein durchaus bemerkenswertes Programm, zumal die zahlreichen Stunden im Schwimmbecken und in den Laufschuhen der allgemeinen Fitness auch nicht gerade schaden sollten. Rein vorbereitungstechnisch stehe ich also, abgesehen von den letzten Tagen, absolut im Soll. Gut so.

7 Tage, 917 Kilometer, fast 20.000 Höhenmeter, sieht klingt schon mal nach harter Arbeit und ich gebe zu, zum ersten Mal in meiner nun fünfjährigen Karriere im Rad- und Ausdauer habe ich richtig Respekt vor der Strecke und bin etwas unsicher. Jede der einzelnen Etappen ist sicherlich gut in vier bis sechs Stunden fahr- und machbar und führt über einige der schönsten Pässe der Alpen. Genau das war auch der Grund für meine Anmeldung, tolle Strecke, knackige Anstiege, legendäre Alpenstraßen. Das Ganze nun im Rennmodus ist ganz sicher eine ganz andere Hausnummer! Im Wissen darüber, dass ich sobald irgendwo ein Startschuss fällt, mit meinen Kräften zumeist nicht besonders haushälterisch umgegangen bin und daher meine “Schwäche” sicherlich auf den langen Strecken liegt, wage ich hier absolut nicht irgendwelche Aussagen über den Rennverlauf zu machen. Das Rennen ist natürlich topp besetzt und gilt nicht umsonst als die “Tour de France der Amateur-Fahrer”, das pusht sicherlich nochmals ordentlich in Sachen Motivation, aber am Ende gilt es dann eigentlich “nur” die vermutlich rund 35 bis 40 Stunden im Sattel gut zu überstehen. Ich bin Stand heute zwar absolut überzeugt, dass ich mit meinem Teampartner Andreas, der das Ganze 2010 bereits erfolgreich und flott absolviert hat, ein gutes Team (AC Express, Startnummer 227) bilden werden, das wahrscheinlich gut im ersten Viertel des Feldes mitfahren kann, ob mein Körper, insbesondere Beine und Rücken werden sich 1000-przentig ordentlich bemerkbar machen, jedoch nach Tag 3 oder 4 noch an meine normale Tagesleistung herankommen kann ist für mich ein absolutes Fragezeichen. Gut fahren, ausreichend erholen und klar im Kopf sein, darauf wird es ankommen, wenn es insbesondere zum Ende hin richtig hart werden wird.
Klar ist auch, dass dazu sicherlich auch etwas Glück von Nöten sein wird, denn ein Radrennen mit rund 1.300 ambitionierten Teilnehmern und vielen schnellen Abfahrten ist nun mal alles andere als eine ungefährliche Sache. Zum Glück teile ich hier mit meinem Teampartner die Auffassung, dass die Maxime Nr.1 sein wird vor allem gesund und mit heilem Material in einer Woche in Arco anzukommen. Letztlich ist sowieso klar, dass sich unser Rückstand auf die Spitze im Bereich mehrerer Stunden bewegen wird (Schätzung ca. 60 Minuten pro Tag). Ob am Ende Platz 157 oder 289 rausspringt, spielt im Endeffekt keine große Rolle, wen interessiert das am Ende, die anderen können auch gut hinhalten. Die Herausforderung wird jeden Tag aufs Neue durch Strecke und Gelände gesetzt, so wird das Ganze zu 150 Prozent hart genug, da muss ich nicht noch um in der letzten Abfahrt um 45 Sekunden oder einige Plätze kämpfen. Entsprechend steht der “Spaß am Erlebnis Transalp” für uns beide absolut im Vordergrund, die Ambitionen in Minuten und Sekunden überlassen wir den anderen.
Zur positiven Grundstimmung passen mittlerweile auch die Wetteraussichten für die Region, denn diese sind mittlerweile hervorragend. Eine Garantie für Sonne und angenehme Temperaturen gibt es im hochalpinen Gelände sicherlich nicht und daher ist es ganz sicher besser sich jetzt schon mal darauf einzustellen auch mal ordentlich nass zu werden und/oder einzweidrei schweinekalte Abfahrten zu überstehen. Wolkenlos und warm wie im Vorjahr, als ich mit Babsi im Urlaub in Crans Montana Sonne satt genießen durfte, wäre sicherlich äußerst stimmungsaufhellend und selbst 35 Grad im sonnigen Südtirol würden mich alles andere als abschrecken. Sofern es genug Wasser auf der Strecke gibt, darf es gerne auch prügelheiss werden.

Die Kerndaten zur Strecke hier:

Das Rad wird heute Abend noch final rennfertig gemacht (letzte Wartung, Montage der Pannenausrücstung und Hochglanz-Putz), morgen wird dann noch final gepackt, am Samstag geht es dann auf nach Sonthofen, wo mich die liebe Racing-Babsi dankenswerterweise ab- und dann ganz allein aussetzen wird. Alle Details zu den einzelnen Etappen auf der offiziellen Seite des Rennens, dort könnt ihr dann auch täglich die Tagesergebnisse verfolgen. Doch keine Sorge, über Twitter, Facebook und wenn sich Zeit findet hoffentlich auch im Blog hier werde ich versuchen meine treuen Leser auf dem Laufenden zu halten. Drückt Ihr einfach die Daumen, dann komme ich auch heil wieder zurück.

Bestzeit über die Mitteldistanz (knapp verpasst)

Gepostet am 15. Juni 2011

Fast pausenlos war ich die letzten Wochenenden unterwegs und nach drei Tagen Ausflug in die Drittheimat (der In-spe-Schwiegereltern), wo ich nun schon zum dritten Male beim Mönchshof-Triathlon in Kulmbach am Start war, bin ich seit Montag Abend wieder in den heimatlichen vier Wänden angekommen. Zeit also für den Rennbericht meines triathletischen Sommer-Höhenpunkts 2011, der Deutschen Meisterschaft über die Mitteldistanz.

Nach dem zwar gedämpften, aber dennoch nicht gerade langsamen Rennen vor Wochenfrist in der Schweiz, hoffte ich die ganze Woche hinweg, dass meine Beine bis zum Sonntag hin wieder halbwegs brauchbar sein würden. Locker bewegen, war eigentlich nur die Deivse, aber nachdem ich am Donnerstag beim Siemens-Spendenlauf am Standort Perlach noch etwas zu flott unterwegs war, signalisierte mein Körper gerade noch rechtzeitig am Samstag Abend so etwas wie Rennbereitschaft. Gemeinsam mit rund 300 weiteren Herren stand ich also am Sonntag um 9.05 Uhr in der dicht gedrängten Startaufstellung zum alljährlichen Preisprügeln am Trebgaster Badesee. Zu viel gute Leute verteilt auf zu wenig Platz, folglich gab es mal wieder für alle Beteiligten kräftig auf die Mütze.
Wilde Meute
Worte zur Schwimmperformance zu verlieren erübrigt sich daher mal wieder besser. Wie jedes Jahr waren auch heuer wieder drei Runden im dunkelbraunen Moorwasser zurückzulegen und ebenfalls wie gehabt war die Strecke am Ende statt 2.000 Meter deutlich länger, die nachträglichen Schätzungen im Feld lagen am Ende so zwischen 2.250 und 2.400 Meter, denn irgendwie hatte niemand nur annähernd “Normalzeiten” erreicht. Letztendlich aber egal, schließlich müssen da ja alle durch und wenn auch die guten Schwimmer rund fünf Minuten über ihren Bestzeiten liegen, dann darf ich mir auch ein paar Extra-Minuten einhandeln. Knapp über 40 Minuten war ich unterwegs und zumindest etwas relativiert diese Tatsache meine absolut grottige Schwimmzeit (ich war noch nie in einem Wettkampf länger im Wasser). Sollten es tatsächlich 400 Extrameter gewesen sein, dann wäre das Tempo sogar gar nicht mal so schlecht und auch mit gut 5 Minuten Rückstand auf den AK-Sieger liege ich sogar noch im vertretbaren Bereich. Dennoch, wie im Vorjahr als 114-ter aus Wasser zu kommen zeigt genau NULL Fortschritt (ist sogar exakt gleich) und lässt mich wieder mal rätseln wo sich nur meine guten Trainings-Fortschritte (wirklich!) verstecken. Früher war ich im Rennen mit Neo, Wasserschatten und Gehaue stets schneller als im Traingsbecken und ich frage mich ernsthaft wie ich jemals (mehrfach) 23-er Zeiten auf die 1.500 Meter schwimmen konnte. Zwar verlor ich im Quervergleich mit meinen 2 Minuten deutlich weniger als (nach kurzer Analyse) bereits im Vorjahr angetretenen Konkurrenten (ca. 3-4 Minuten), doch brauchte ich (einschließlich Ausstieg) allein auf der letzten Runde, sofern ich es durch den verschwommenen Blick durch meine Brille richtig erkennen konnte, unfassbare 15 Minuten (Superleistung auf den ersten beiden Runden??). Noch dazu lagen einige Schwimmer, die ich heuer und in den Vorjahren bei anderen, kürzeren Wettkämpfen im Wasser schon hinter mir gelassen hatte, fast gleichauf oder bis zu drei Minuten vor mir. Vielleicht sollte ich dann doch besser aufhören mir die Zeit im chlorhaltigen Schwimmbadwasser zu vertreiben, mit etwas Planlos-Gepaddel wäre ich wohl auch nicht viel langsamer gewesen. Grrmpf!
Rauf auf's Rad
Lief es im Wasser nicht so recht, erwischte ich dafür auf dem Rad einen richig guten Tag. Erstmals fuhr ich auf der Mitteldistanz nicht vom ersten Meter weg “all out” und konnte mit dieser Taktik ein gleichmäßig hohes Tempo realisieren, so dass ich nach den ermittelten 88 Kilometer (auch hier stimmt die offizielle Ausschreibung nur so in etwa) fast exakt fünf Minuten schneller war als noch vor Jahresfrist. Klingt nicht viel, aber 3,5 Prozent Verbesserung ist zumindest schon mal eine Hausnummer.
Höchster Punkt der Radstrecke
Bei idealen Wetterbedingungen (fast identisch zum Vorjahr) war ich vom Start der Radstrecke bis circa KM 85 gemeinsam mit Triathlon-Legende Fritz Buchstaller (Platz 2 der AK M50) unterwegs, der logischerweise auf perfekten Material unterwegs war. Zum ersten Mal fuhr ich ein Rennen eher taktisch und in der Gruppe und wir pushten uns abwechselnd gegenseitig (zumindest wir beide stats fair mit 8 bis 10 Meter Abstand), zogen damit leider  meist drei bis vier hartnäckige Konkurrenten im Windschatten hinter uns her. Bergauf (siehe Bild) war ich klar der schnellere von uns beiden, in den schnellen Rollerpassagen und Ortsdurchquerungen war ich materialtechnisch etwas unterlegen und nahm zudem etwas raus, riskierte ich nicht alles und wollte noch ein paar Tropfen Sprit für den Lauf im Tank lassen. Die Rechnung ging voll auf und so kam ich schließlich auf ein selbst gestoppte Nettozeit von 2:17:25 Std, was einen für diese alles andere als flache Strecke durchaus ordentlichen Schnitt von 38,4 km/h bedeutete. In der Endabrechnung reichte diese für einen in dem Feld sehr guten Platz 30 beim Radsplit. Wirklich eine Top-Leistung, hier stimmt die Entwicklung in Richtung Transalp zu 110 Prozent.
Gekonnt abgsteigen
Gute drei Stunden war ich nun also bereits unterwegs, ehe es auf Rang 59 liegend in die Laufschuhe und auf die abschließenden zwei 10-Kilometer-Runden entlang des Main-Kanals ging. Natürlich war ich im Gegensatz zur Vorwoche nicht mehr taufrisch vom Rad gehüpft, aber nach flottem Wechsel in der Brauereihalle konnte ich dennoch gemeinsam mit der zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierten Frau, Katrin Esefeld (5 Minuten vor uns Männern gestartet), die ersten Kilometer recht flott anlaufen.
Los geht's, nur noch 20 km
Mit wiederum selbst gestoppten 41:20 Minuten  absolvierte ich die erste Hälfte im Tempo von 4:08 min/km, wobei sich Atmung und Puls noch ganz gut anfühlten, nur die Beine waren etwas schwer. Auch mein Futterkonzept (Gels und Cola) klappte ganz gut und die zahlreichen Verpflegungsstationen lieferten die restliche Energie, dennoch verlor ich auf der ersten Laufrunde schon mehr Plätze als ich gut machen konnte. Bis etwa KM 13 fühlte ich mich noch ganz passabel und war optmistisch das Tempo irgendwie noch bis ins Ziel halten zu können, doch leider erwischte es mich auf den letzten fünf Kilometern beinhart. Lief in vor ein paar Tagen das 4:30er-Tempo noch ohne große Anstrengung musste ich schon voll ans Limit gehen um den zweiten Zehner noch irgendwie in 45 Minuten ins Ziel zu retten. Ab dem letzten Wendepunkt, sprich für die letzten 5 Kilometer, brauchte ich gefühlt endlose 24 Minuten und verlor allein hier noch fünf oder sechs Plätze in der Gesamtwertung. Die Beine wollten einfach nicht mehr, vielleicht verständlich nach der Tortour der letzten Tage, und so kämpfte ich jeden Zentimeter Schrittlänge. Die Top3 der AK50 und die spätere Siegerin des Frauenrennens, die ich bei KM 7 noch locker überholt hatte, rannten auf den letzten Metern noch vorbei ohne dass ich den Hauch einer Chance hatte dran zu bleiben. Ich gebe zu, das tat schon etwas weh.
Zum Ende der Laufstrecke
Immerhin, wenigstens auf den letzten 200 Metern konnte ich mit etwas Endbeschleunigung noch meinen Platz im Gesamtklassement verteidigen. Viel länger hätte die Strecke am Sonntag aber nicht sein dürfen, diesmal war ich im Ziel absolut voll bedient.
Zieleinlauf
Obwohl es hinten raus richtig hart war, das Ergebnis weist am Ende eine persönliche Laufbestzeit für die Mitteldistanz aus, doch dennoch reichte meine Laufzeit von 1:26:18 Std gerade mal zu einem unfassbaren Rang 74 im Quervergleich der Gesamtwertung aller männlicher Finisher – LMAA, laufen die alle schnell. Zum Vergleich, in Rapperswil war ich mit eher lockeren 1:36 Std unter den Top10-Prozent aller Läufer. Ob ich ohne die Spuren von der Vorwoche möglicherweise das Tempo von Runde 1 hätte durchlaufen können ist natürlich eher spekulativ, aber selbst mit einer 1:24-er Laufzeit hätte ich noch maximal acht bis zehn Plätze gut machen können. Wäre eh belanglos gewesen.

Wie schon im Vorjahr, bzw. “noch schlimmer”, in der Gesamtabrechnung schlägt sich die durchaus gute Leistung leider nicht so recht nieder. Platz 62 in der DM-Gesamtwertung (bei 230 männliche Teilnehmern in der Wertung) sieht gemessen an meinen sonstigen Ergebnissen nahezu erschreckend aus, aber das ist nun mal das persönliche Los bei diesem sehr selektiven Teilnehmerfeld. Unfassbar, schlechter als 2010, aber die “Just-for-Fun”-Starter oder “Nur-Finisher” sucht man in Kulmbach, zumal bei der Deutschen Meisterschaft, (fast) vergeblich.

Wie so oft suche ich mal wieder die Haare in der Suppe raus, aber zur Entwarnung: Schwimmen außen vor gelassen und aufgrund der Streckenlänge absolut ungewiss, im Gesamtvergleich könnte ich dennoch nicht viel zufriedener sein. Die Teilplatzierungen 114, 30, 74 sprechen diesmal eine klare Sprache in Richtung Rad und nur um ein paar Sekunden schrammte ich damit an meiner Mitteldistanz-Bestzeit aus 2009 (Clearwater) vorbei, die allerdings unter gaaaanz anderen Umständen und einer nicht annähernd vergleichbaren Strecke zustande kam. Obwohl es zu Saisonbeginn noch etwas schleppend lief, mit dem Formaufbau und der erreichten Leistungsfähigkeit bin ich damit nun wirklich auf einem für mich neuen Niveau angekommen. Mir fehlt mittlerweile vielleicht etwas der Top-Speed, in Sachen Ausdauerleistung über mehrere Stunden habe ich mich aber ordentlich verbessert und genau darauf wird es bei den kommenden großen Aufgaben (Transalp, Hawaii) ja schließlich auch ankommen.
Die Ausgangslage könnte also viel besser nicht sein, Plan ist es jetzt “nur noch” verletzungsfrei zu bleiben, das erreichte Niveau einigermaßen zu halten und vielleicht noch etwas mehr Gewöhnung an die langen Sachen reinzubringen, dann es werde ich auch bis zum 8. Oktober weiterhin viel Spaß haben. Thumbs UP!